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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 55)

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Vorbildersammlnng für Architektur und Knnstgewerbe in Weimar. 
Bei der Begründung des neuen Museums in Weimar wurde in Uehereinstimmung 
der Absichten Sr. K. Hoheit des Gressherzogs und der hohen Staatsregierung ein beson- 
deres Gewicht darauf gelegt: die gegenwärtig allerorten in ihrer hohen Bedeutung erkannte 
Verbindung der Kunst mit dem Gewerbe auw-h hier als einen Zweig des öffentlichen Kunst- 
interesses zu pflegen, und die Landesvertretung kam in ausdrücklicher Anerkennung der 
Wichtigkeit gerade dieses Gebietes jener Absicht der Staatsregierung durch Bewilligung 
eines jährlichen Fonds iiir Auschaifungen kunstgewerblicher Vorbilder entgegen. Es wurde 
hierdurch und durch dankenswerthe Beihilfe aus Mitteln, welche dem Ministerialdeparte- 
meut des Innern zu Gebote stehen, die Möglichkeit geboten. ein bisher mit anerkenneus- 
werther Opferwilligkeit von Herrn Dr. Stegmaun aus Privatmitteln unterhaltenes Institut 
in die Verwaltung des Staates zu übernehmen und in den schönen Räumen des neuen 
Museums eine öfentliche Vorbildersammlung für Architektur und Kunst- 
gewerhe zu begründen. 
Die früher in der Kunstkammer der Grossherzogl. Bibliothek aufbewahrten kunst- 
gewerblichen Gegenstände: Modelle von Bauwerken, antikes Thou- und Brouzegeriith, 
Elfenbeim, Metall-, Glss-, Majolica-Gefiisse, Schnitzereien etc. des Mittelalters und der 
Renaissance, zum grossen Theil- dem Nachlass der Herzogin Anna Amalia entstammend, 
in Verbindung mit der reichen Sammlung von Majolikeu und anderen Werken der Klein- 
kunst uus dem Nachlese des Groseherzogs Carl Friedrich, welche auf Anordnung Sr. K. 
Hoheit des Grossherzogs aus dem Schloss Belvedere in das Museum übertragen wurden, 
bildeten mit der aus Staatsmitteln angekaufteu Sammlung von Gläsern des Herrn Dr. Steg- 
mann die Grundlage für die im ersten Geschoss des Museums aufgestellte Sammlung 
kuustgewerblicher Original-Arbeiten. Diese wurde zunächst durch Ankauf einer grösseren 
Anzahl von Gypsabgiissen architektonischer Ornamente ergänzt. welche an den Wänden 
des Saales aufgestellt, die Aufeinanderfolge der Baustile, von der Antike bis zur Gegenwart 
in charakteristischen Beispielen, namentlich aber das fiir die moderne Kunst wichtige 
plastische Ornament der italienischen Renaissance vorführen sollen und so den Rahmen 
bilden, innerhalb dessen sich die Zierformen des Kunstgewerbes bewegen. Ausserdem boten 
zahlreiche Geschenke Sr. K. Hoheit des Grossherzogs und mehrere Ankäufe von Gyps- 
abgiissen kleinerer Kunstwerke aus den Museen von Berlin, München und Wien eine 
Reihe von mnstergiltigen und charakteristischen kunstgewerblichen Vorbildern dar, unter 
denen nur die stets neu zu bewundernden Abgüsse des Hildesheimer Silberfundes hervor- 
gehoben werden mögen. 
Da aber diese Aufstellung von Original-Arbeiten und Abgiissen immerhin nur eine 
kleine Auswahl des Mnstergiltigen aus dem grossen Gebiet architektonischer und kunsb 
gewerblicher Schöpfungen umfassen kann, so wurde gleichzeitig eine Sammlung von Ab- 
bildungen begründet, welche den Zweck hat: ein reiches, möglichst vollständiges und syste- 
matisch gsordnetes Material fiir das Studium der Architektur und des Kunstgewerbes dar- 
zuhieten. 
Auch dieses Unternehmen hatte sich der gulldigsten Theilnahms Sr. K. Hoheit des 
Grossherzogs zu erfreuen, welcher der Sammlung eine ansehnliche Reihe von werthvolleu 
kunstgewerhlichen Bildwerken iiberliese. Durch diese Schenkung und durch den Ankauf 
von älteren und neueren Werken im Betrage von ca. 550 Thlr. ist die jetzt dem öifent- 
liehen Gebrauch übergebene, iiber 5000 Blatt Abbildungen (mit wenigstens der dreifachen 
Anzahl einzelner Gegenstände) zählende Sammlung ins Leben gerufen worden. Dieselbe 
' ist nach dem Grundsatz angeordnet: 
„Durch Anordnungen der slimmtlichen Abbildungen nach den Zweigen der Archi- 
tektur und des Kunetgewerbes und nach den Kunststileu die Benutzung zugleich bequem 
und belehrend zu machen." 
Deshalb sind alle Sammelwerke, welche nicht ein bestimmtes Gebiet umfassen, na- 
mentlich der reiche Inhalt der kunstgewerblichen Zeitschriften: Gewerbehalle, Zeitschriß 
des miinchner Kunstgewerbvereins. Art pour tous, in einzelne Blätter zertheilt und in 
Mappen geordnet, welche dem Besucher alle Abbildungen eines bestimmten Gewerbszweigs 
nach den Kunststilen geordnet darbieten und ihn des mühevollen und zeitraubenden Su- 
ohens in den Sammelwerken iiberhehen. 
Die Sammlung ist in vier Abtheilungen und einen Anhang geordnet: 
l. Baukunst, einschliesslich der gesaxnmten architektonischen Decoration und Or- 
namentik; die Vorlagen für Maurer, Stniuhaueh, Zimmerarbeit, Bau-Tischlerei und Ban- 
Schlosserei, Stucksrbeit, Decorationsmalerei etc. umfassend. 
2. Gerith; mit den Unterabtheiluugen Möbel, Schmuck, Metallarbeit (Geflisse, Ge- 
Yiillößlllflßll. Weifeu, Werkzeuge), Holz, Horn, Elfenbein, Lederarheit und Biichereinbaud, 
Thon und Glas.
	        
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