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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1870 / 56)

Generalversammlung der Gesellschaft zur Förderung der 
Kunstgewerbeschule. 
Die Gesellschaü zur Förderung der Kunstgewerbeschule des Oesterr. 
Museums hielt am 25. April d. J. ihre Jahresversammlung. Der Vor- 
sitzende des Ausschusses, Graf Edmund Zicby, eröffnete dieselbe mit 
einigen einleitenden Worten über Zweck und Bedeutung des Vereines. 
Er betonte, dass sich dieser Verein, der erste, welcher sich der Förderung 
einer Staatsanstalt widmet, in das Didaktische und Pädagogische der 
Schule nicht einmischt, dass die Bestrebungen des Vereines eine humani- 
täre Tendenz haben und insbesondere dem kleinen Gewerbe zugute kommen, 
denn die erworbene Kunstbildnng des Handwerkers sei das sicherste Ret- 
tnngsmittel gegen die erdrückende Macht der Maschine und des Gross- 
capitals. Er gedenkt der Unterstützungen, welche Se. Majestät und das 
kaiserliche Haus der Kunstgewerbeschule angedeihen liessen, der vom 
Handelsministerium für Stipendium ausgesetzten Summe von 6000 ü. und 
der beiden vom n. ö. Gcwerbevereine gegründeten Preise. Die Kunst- 
gewerbeschule, deren "Besuch auch den Frauen eröffnet wurde, weist 
erfreuliche Resultate auf, und die Zahl der Schüler ist in diesem Jahre 
von 78 auf 104 gestiegen, die Zahl der weiblichen Besucher von 8 auf 14- 
Mit besonderer Befriedigung constatirt der Vorsitzende die Anerkennung, 
welche den Einrichtungen des hiesigen Museums im Auslands zu Theil 
wurde. In Frankreich und Italien hätten Fachzeitschriften das System 
der Verbindung von Museum, Kunstgcwerbeschule und unterstützender 
Gesellschaft als sehr erspriesslich bezeichnet und dasselbe zur Nachahmung 
empfohlen, ebenso beabsichtige man in Russland die Einrichtungen des 
hiesigen Museums einzuführen. Der Vorsitzende hebt besonders hervor, 
dass bei der Vertheilnng der Stipendien das Talent berücksichtigt werde, 
ohne Rücksicht auf Confession, Nationalität, Geschlecht, - eine Bemerkung, 
welche von lautem Beifalle der Versammlung begleitet war, und theilt 
noch mit, dass die Gesellschaft sicb im nächsten Jahre bereits in einem 
anderen Locale versammeln werde, wo Museum und Kunstgewerbeschule 
vereinigt sein werden. Dem gedruckten Jahresberichte entnehmen wir, 
dass die Gesellschaft, die seit dem 2. März vorigen Jahres besteht, 203 Mit- 
glieder zählt An der Spitze der Gesellschaft steht der Kaiser, ihm haben 
sich die Erzherzcge Franz Carl, Carl Ludwig, Ludwig Victor, Albrecht, 
Rainer und Wilhelm angeschlossen. Von den 6000 (1., welche das Han- 
delsministerium für Stipendien widmete, wurden im Schuljahre 1869-70 
zehn Stipendien im Betrage von je 300 B. verliehen. Freiherr Louis 
v. Haber hat den Betrag von 20.000 il. für Stipendien gespendet, der 
n. ö. Gewerbeversin zwei Preisstipendien ä. 50 H. für Zöglinge der Kunst- 
gewerbeschule gegründet. Der Fonds der Gesellschaft bestand den 31. März 
d. J. aus 1289 d. 20 kr. in Barem, 27.000 ll. in Wiener Oommunal-
	        

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