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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1870 / 56)

Bisher ward noch kein Versuch gemacht, die Zeit der Anfertigung 
des zuerst beschriebenen Gewebes (Nr. 1) festzustellen. Glücklicherweise 
geben die Inschriften die erforderlichen Daten in seltener Vollständigkeit: 
Näsir-ed-din Muhämmed war mamlükiscber Sultan von Aegypten und Sy- 
rien; da er (mit zweimaliger kurzer Unterbrechung) von 1293-1341 re- 
giert hat, kann der Steif nicht der Zeit vor 1293 angehören. Aber auch 
nicht nach 1341 kann er angefertigt worden sein, weil der Schriitductus 
eine fremde spätere Nachahmung ausschliesst, ein einheimisches 
- späteres Gewebe aber im analogen Falle Titel und Namen eines der Nach- 
folger Näsir-ed-dinhs führen müsste. Die Aufnahme des jeweiligen Herr- 
schernamens in die Ornamente auf Stoffen, Baudenkmälern u. s. w. war 
ein ebenso eifersüchtig bewahrtes Mnjestätsrecht im Islam, wie das aut, 
den Fürstennamen lautende Münzgepräge und Freitagsgebet. 
Die arabischen Historiker berichten es ausdrücklich, wenn ein Herr- 
scher auch des ersteren Rechtes verlustig wurde"). Dieselbe Gepdogen- 
heit, und dies ist für die spätere Untersuchung von Wichtigkeit, wurde 
auch mit der Invasion der Araber nach Spanien übertragen. 'Abd-ur- 
rahmän (1- 853) führte dort zuerst die mit Titel und Namen geschmückten 
Feierkleider und eigene Landesmünzen ein. 
Noch näher iixirt wird aber das Gewebe durch die bereits bemerkte 
ZiEer v- (3). Dieselbe ist keineswegs etwa für das dritte Regierungs- 
jahr des Sultans oder als Stoifnummer zu deuten, sondern sie bezeichnet 
wohl nichts Anderes, als die abgekürzte Jahreszahl (70) 3 der Hidschra, 
d. i. 1303f4 n. Chr. Die Muhainmedaner pliegten im Mittelalter auf die 
genaueste Weise die verschiedensten Gegenstände ihrer Kunst- und In- 
dustrieerzeugnisse mit Zeitdaten zu versehen, und nicht selten wurden in 
solchen Fällen bei den Jahreszahlen die Hunderte weggelassen, wie dies 
auch die Münzen eben dieses Sultans Näsir-ed-din beweisen. 
Unter 45 Exemplaren in meiner Sammlung haben deren 13 die Jahres- 
zahlen auf jene Weise abgekürzt, womit also wohl ein hinreichender 
Beleg für die Richtigkeit meiner obigen Erklärung gegeben ist. 
Um aber noch einen weiteren Beweis zu liefern, wie die muhamme- 
danische Numismatik in gewissen Fällen auch zur chronologischen Be- 
stimmung von Geweben fordernd einzugreifen vermag, bemerke ich gleich 
hier, dass jener Stoff bei Bock, I, Taf. VI, p. 41 f., dessen Inschrihen 
Herr Adrien de Longperier bereits richtig gelesen, schon nach den vorher 
entwickelten allgemeinen Regeln keinesfalls, wie Bock andeutet, nach 
Spanien und in's XIII. Jahrhundert, sondern, wie der schwere, breite, 
ornamentale Münzductus zeigt, nach Aegypten oder Syrien in's XIV. Jahr- 
hundert gehört; ja noch mehr, die von acht Halbbögen gebildeten klei- 
neren Ornamente weisen durch die Anordnung ihrer Schriftzeilen zwischen 
i) Z. B. es-Sojüthi, Tßrieh el-Ghuleü, ed. Oßlculh, 1857, p- r"
	        

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