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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1870 / 60)

Ueber die Photographie. 
Eins Vorlesung von H. Hlnsiwetz, gehalten im Oesterr. Museum f. Kunst u. Ind. 1868. 
(Fortsetzung) 
Wal also ist aber dann die Wärme, die wir auch schon oft als einen Stoß 
beschreiben hörten, und wie kann ein Stoff entstehen einzig durch eine bewegte, 
unfassbare, unwägbare Substanz wie der Aether, der wir ja alle Materialität ab- 
sprechen? _ 
Eine Verwandlung dieses Immateriellen in eine Würmematerie scheint ja 
undenkbar. Die neueren Ansichten von der Natur der Wärme lassen aber doch 
eine Erklärung dieses bedeutungsvollen Phänomens zu. Die Wärme ist ihr zufolge 
kein Stoß . sondern selbst nichts anderes als Bewegung, als ein Erzittern 
und Schwingen; allein wenn ein Körper warm ist, so schwingen seine Körper- 
atome, wenn er leuchtet, so schwingen die Aetheratome. Die Schwingungen der 
letzteren nun können die ersteren in ein Mitschwingen versetzen und es ist also 
ohne Zweifel eine übertragene Bewegung vom Atom des Aethers auf das Atom 
des Körpers, wenn er durch Lichteinilüsse sich erwärmt. 
Und in ähnlicher, wenn auch schwer strict detinirbarer Weise muss die 
Zersetzung einer Substanz in ihr ohne Besfandtheile aufgefasst werden. Auch in 
diesem Falle werden den Atomen der chemischen Verbindung durch die Bewegung 
der Aethermoleciile Mitbewegungen aufgenölhigt, denen sie ohne eine gleichzeitige 
Trennung nicht gewachsen sind, und die Verbindung zerfallt. Wir wissen aber noch 
nichts Bestimmtes über die einzelnen Formen dieser Bewegungen und ihren noth- 
wendigen Einlinss solcher Art. 
Nur so viel scheint gewiss, dass es von dieser Form abhängen kann, ob 
nicht vielleicht das Bewegungsphlnosnen auch vielleicht den Charakter der Elek- 
tricität annehmen kann, eine Kraft, die vrir häufig dieselben trennenden Wirkungen 
ausüben sehen. 
Doch wie dem auch sei, begnügen wir uns für unseren Zweck mit der An- 
deutung der Gründe einer Erscheinung, auf deren praktische künstlerische Benüt- 
zung es uns beute zumeist ankommt. ' 
Die Thatsache, dass das Licht das Chlorsilber zersetzt, kannten schon die 
Alchymisten und sie benützten sie sogar schon, um auf damit überzogene Gegen- 
stände Zeichnungen in der Sonne entstehen zu lassen, die sie durch darauf gelegte 
Patronen oder Schablonen erzeugten. 
Genaueres über das Chlorsilber und sein Verhältniss zum Licht wusste Scherle 
(1777). Er war es, der zuerst beobachtete, dass verschiedenartiges Licht sehr 
ungleiche Wirkungen darauf hervorbringe und dass es am empiindlichsten sei für 
violcttes und fast gar nicht für gelbes Licht. 
Die Wirkung der ultravioletten, unsichtbaren Strahlen entdeckte 1801 Ritter, 
und von ihm rührt auch die Bezeichnung derselben als chemische Strahlen. 
Die Ergänzung zu dieser Entdeckung, die Audindung der vorrothen, chemisch 
ganz unwirksamen aber erwiirmenden Strahlen, machte Herschel, der berühmte 
Astronom. 
Mit anderen Silberpriiparaten als dem Chlersilber, die auch lichtempfindlich 
sind, experimentirten Wedgwood und Humphry Davy, ja Davy stellte auch wirk- 
lich mittelst des Sonnenmikroskops Bilder dar. Aber es gelang ihm so wenig 
wie Wedgwood, der Kupferstiche zu copiren suchte, die Bilder zu Exiren, d. b. 
zu verhindern, dass bei späterer Einwirkung des Lichtes sie sich nicht völlig 
schwiirsten.
	        

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