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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1870 / 60)

Im Jahre 1514 suchte ein ingeniöser Franzose Namens Niepce St. Victor 
das Ziel Luftbilder zu erhalten auf einem anderen Wege zu erreichen. Man 
kannte die Thatsaehe, dass Harze, die in dünner Lage dem Lichteinfluss ausge- 
setzt worden waren, sich in Lösungsmitteln, wie Weingeist, viel schwerer lösen 
als vorher. Er hatte nun den äusserst glücklichen Gedanken, zu einer solchen 
Lufteinwirkung die Camera. obscura zu benützen, jenen einfachen physikalischen 
Apparat, der bis dahin wenig mehr gewesen war, als eine hübsche optische 
Spielerei. 
In diesem Apparat, der als Haupthestaudtheil bekanntlich nur eine Linse 
hat, durch die ein Spiegel, der schräg darüber angebracht ist das Bild der Gegen- 
stände in einen innen geschwärzten Kasten wirft, auf dessen weissem Boden man 
sie verkleinert wieder erblickt, - brachte er polirte Kupfer- und Silberplatten mit 
Harz dünn überzogen, exponirte sie darin der Luft und entfernte hierauf durch 
Lösungsmittel das Harz von den nicht getroffenen Stellen. 
Die freigelegten Stellen der polirten Metallplatten spiegelten dann und 
gaben die Schatten, während die rückständigen mit Harz überdeckten die 
Lichter gaben. 
Niepce verband sich, ohne zu genügenden Resultaten gelangt zu sein, 
später mit Daguerre, der das gleiche Ziel verfolgte, und sie verbesserten die 
Niepcdschen Bilder besonders dadurch, dass sie die spiegelnden Stellen derselben 
schwärzten indem sie durch Schwefelwasserstoff eine Schichte Schwefelsilher oder 
Schwefelkupfer darauf erzeugten. Das Verfahren nannten sie Heliographis. Es 
machte aber in künstlerischer Beziehung kaum ein Aufsehen. 
Bald darauf starb Niepce und Dagnerre setzte nun in Gemeinschaft mit 
Niepce'a Sohne nnermüdet die Versuche fort, eine Methode zu vervollkommnen, deren 
Princip sich als völlig richtig ihnen erwiesen hatte, und es gelang ihm 1839, der 
Pariser Akademie Proben eines neuen Verfahrens vorzulegen, welches das Er- 
staunen dieser gelchrten Körperschaft, und bald darauf das von ganz Europa er- 
regen musste. 
Sie erhielten eine Nationalbelohnung für ein Verfahren, jedes, in einer Camera 
obscirra aufgefangene Bild binnen einer Viertelstunde mit der grössten Schärfe in 
allen, auch den feinsten Einzelnheiten, sowohl der Form wie der Lichtstärke auf 
einer polirten Silberplatto zu üxiren, d. h. gegen fernere Lichteinwirkung un- 
empfindlich zu machen, und so bleibend zu erhalten. 
Viele von Ihnen sind gewiss noch im Besitze solcher so erzeugten Bilder, 
die sofort den Namen Daguerreotype erhielten, und Allen ist uns noch lebhaft im 
Gedächtniss, mit welch" freudiger Bewunderung die ncue Erfindung begriisst wurde. 
Das Daguerreotypverfahren knüpfte wieder an die Lichtempfindlichkeit der 
Silberpräparate an. Um es auszuführen, wurde eine ebene, blank polirte silher- 
plattirte Kupferplatte zuerst oberflächlich mit einer Schichte von Jod- oder Brom- 
silher überzogen, einfach dadurch, dass man sie in einer passenden Vorrichtung 
den Dämpfen von Jod- oder Brom oder beiden zugleich aussetzte. 
Es war bisher blos vom Chlnrsilber als vornehmlich lichtempfindlicher Sub- 
stanz die Rede. Ich kann jetzt hinzufügen, was ich später noch mehr erläutern 
werde, dass auch auf die Brom- und die Jodverhindung des Silbers das Licht 
zersetzend reagirt, ja dass diese beiden Verbindungen sogar noch sensibler sind, 
als das Chlorsilber. Ueberdies lassen sie sich, da das Brom flüssig und das Jod 
fest ist, besser handhaben als das gasförmige Chlor. . 
Eine so vorbereitete, mit einem Hauch von Brom- oder Jodsilher überzogene 
Metnllplntte wurde nun in die Carnera gebracht, und eine Zeitlang der Lichtcin- 
wirkung des Objects ausgesetzt.
	        

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