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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1870 / 60)

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Ich erachte es für nöthig, diese wenigen Zeilen einer Art Ehren- 
rettung der chinesischen Kunst vorauszuschicken, um meine Betrach- 
tungsweise zu kennzeichnen, denn eine specielle Würdigung und eine 
eingehende Darlegung des allgemeinen Werthes der artistischen Leistun- 
gen des Reiches der Mitte würde uns hier, wo wir heute von einem 
einzelnen Zweige reden wollen, auf einem allzulangen Umwege zu unse- 
rem eigentlichen Thema führen. 
Die Technik des Emails, das ist die Verbindung einer glasartigen 
Masse mit einem feuerbeständigen Körper in der Art, dass erstere auf 
letzteren in der Hitze aufgeschmolzen wird, ist vielleicht sogar älteren 
Datums als die Erfindung des Glases selbst. Gewiss lag sie bei der 
Herstellung des Glases um so näher, je weniger vollkommen die Vor- 
richtungen waren, um selbständige Objecte aus Glasmasse zu formen, 
und so linden wir im Orient meistens schon in sehr früher Zeit das 
Email auf thönerner Unterlage in Gestalt von glasirten Fayencetliesen 
angewendet, so in Khorsabad und Niniveh, wo sich emaillirte Fayence- 
platten als Wandbekleidung häufig linden. In China reicht die Kenntniss 
der Herstellung glasirter Thonwaaren in das graueste Alterthum zurück, 
doch scheint man auf die Incrustation des Metalles mit Email erst in 
einer verhältnissmässig sehr späten Zeit gekommen zu sein, ja es ist so- 
gar sehr möglich, dass wir die chinesische Emaillerie als Tochter der 
byzantinischen Emailkunst anzusehen haben '). 
Die chinesischen Zellen-Emailgeräthe (lilmaum cloieonnäs) sind erst seit 
der Einnahme von Peking durch die Franzosen und der Plünderung des 
dortigen kaiserlichen Sommerpalastes, wo man davon ungeheure Massen 
fand, in Europa einigermassen gekannt und verbreitet werden; früher ge- 
hörten sie zu den grössten Seltenheiten, so dass man beinahe bei keinem 
der altern Schriftsteller über China etwas, darüber erwähnt findet. Sie 
bestehen aus einem Körper von bald schwächerem bald stärkerem Kupfer- 
blech, die Emailschichte hat eine Dicke von einer halben bis zu einer 
Linie; die die Zeichnung bildenden und die einzelnen Farbentlichen schei- 
') Die Anwendung des Emeils auf Metall (Gold, Silber, Kupfer ehe.) zu künstle- 
rischen Zwecken scheidet sich bekanntlich in die Heupterten des Zellen-Emuils (Email 
cloiaonnä), Gruhen-Emnils (Em. champlevä) und gemalten Emails (Em. de: peintrea). Er- 
steres ist die in Byzanz etwa. vom sechsten Jahrhundert an allein geübte Weise, sie wurde 
dort beinahe uusnuhliesslich auf Gold angewendet. Dünne platte Goldfäden wurden, in ihren 
Biegungen die beabsichtigte Zeichnung bildend und die Fubenfelder contourirend, auf 
eine Unterlage von Goldblech aufgesetzt, die Emeilferbe in die von den Goldfiden ge- 
bildeten kleinen Kästchen oder Zellen eingeschmolzen und du Ganze schliesslich polirl. 
Das Gruben-Email unterscheidet sich vom Zellen-Email nur darin, duss die zu: Aufnahme 
des Emnils dienenden Vertiefungen uns der Meullnusne ausgegraben und die wie heim 
Zellen-Email die Zeichnung betonenden Matallstege ausgespart und stehen gelassen sind. 
Oft kommen beide Manieren vereinigt vor. Beim Mnler-Emeil wird die ganze Oberßäche 
mit Emdl überzogen.
	        

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