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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1870 / 60)

Vasen im Allgemeinen und deren Decoration mich mit meinen Lesern zu 
unterhalten, so glaube ich, dass eine solche kurze und blos übersichtliche 
Darstellung, wie sie eben der Raum dieser Blätter zulässt, doch.schliess- 
lich dem bessern Verständniss unserer in Rede stehenden Emailen zu 
Gute kommen wird. 
Das Verfertigen von Vasen und deren Gebrauch zu Cultus- und 
privaten Zwecken scheint schon von allerfrühester Zeit her in China geübt 
worden zu sein. und wie die Anfänge aller Kunst überhaupt, so verliert 
sich auch der Ursprung dieses Zweiges in mythisches Dunkel. Jeden- 
falls haben wir uns unter den aus den Urzeiten erhaltenen oder ihnen zu! 
geschriebenen Vasen stets Metallvasen zu denken. Im Tchun-tsieu des 
Confutius heisst es da, wo sich der König Tsun-hoan über den Ursprung 
der Vasen und anderer Kunstwerke erkundigte: „Als der Stifter der 
Dynastie Hie. in den Besitz des Kaiserreiches gelangte, sendete er Per- 
sonen nach allen Richtungen des Reiches aus, um seltene und merkwür- 
dige Dinge zu sammeln. Aus einem Goldbarren, den er vom Prinzen 
Kien-mou zum Geschenke erhalten hatte, liess er Vasen formen, die unbe- 
kannten Geistern gewidmet waren. Die Fürsten der Dynastie Shang 
liessen diese Vasen nachahmen, sowie die der Dynastie Tcheu die der 
Shang." Eine andere Quelle sagt, dass der schon erwähnte Stider der 
Hin-Dynastie, Yu, der 2200 Jahre vor Christo gelebt haben müsste, neun 
Vasen giessen liess, auf denen sich die Beschreibung der neun chinesischen 
Provinzen befand. Seit den Zeiten des „grossen Yu" wurde diese Sitte 
beibehalten. Diese Vasen von der Form „Ting", nämlich ein bauchiges 
Geräthe mit drei Füssen, bildeten eine Art Reichspalladium, und ein 
Kaiser betrachtete seine Legitimität nicht als gesichert, der sie nicht in 
seinem Besitze hatte. So wird berichtet, dass selbst der Tyrann und 
„BücherverbrenneW Thsin-chi-Hoang-ti (246 v. Chr.), der alle Andenken 
an die vorhergehenden drei Dynastien und an die früheren Zeiten zer- 
störte, doch die eifrigsten Anstrengungen machte, um sich in den Besitz 
der Ting's zu setzen, die der letzte Prinz der vorhergehenden Dynastie 
Tscheu in einen Fluss werfen liess, um sie zu verbergen. Das Beispiel des 
Yu wurde von der berühmten Kaiserin Tse-tien-Hoag-heu (687 n. Ohr.) 
nachgeahmt, die ebenfalls neun Ting's zu verfertigen befahl, auf deren 
jedem sich die Art des Trihutes etc. einer jeden Provinz befand"). 
") Ein archäologisches Werk, Po-ku-tu, bestehend aus 16 grossen Bänden mit 
mehr als 1200 Abbildungen alter Vasen, die der Verfasser zumeist den Zeiten der Shnng- 
Dynastie (1743-1493 vor Chr.) zuschreibt, enthält werthvolle Aufschlüsse über verschie- 
dene Fonnen und Arten der Vasen, und ebenso eine vom Kaiser Kien-lung (1773-1796 
unserer Aerß) veranlasste grossartige Publicaticu der in den kaiserlichen Palästen befind- 
liehen Alterthiimer. Letztere fiihrt den Titel Si-thing-ku-kien, d. h. „Alterthümer von 
westlicher Reinheit" (weil die darin beschriebenen Gegenstände meistens aus den west- 
lichen Provinzen China's kamen), und bringt in 42 Folioblinden beinahe alle Objecte ü!
	        

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