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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 71)

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Da die Salzglasur immer einen durchsichtigen farblosen Glasilberzug 
liefert, so behält die Waare natürlich ihre ursprüngliche Farbe. 
Sollen aber Ziegel farbig glasirt werden, so muss man wieder zu 
einer Bleiglasur greifen, der man färbende Metalloxyde zusetzt. 
Von einer Ziegelglasur wird eine Dauerhaftigkeit und Widerstands- 
fähigkeit verlangt, die die Glasuren anderer Thonwaaren nicht besitzen 
und auch nicht zu besitzen brauchen. 
Es ist leider eine nicht ungerechtfertigte Klage unserer Architekten, 
dass farbig glasirte Ziegel, die ein so reizendes Ornament bilden, noch 
nicht wieder von jener Güte und Verlässlichkeit hergestellt werden, wie 
ehedem. Indessen ist man eifrig darüber aus, diese Kunst des Mittelalters 
sich wieder anzueignen. 
Gerade bei den Ziegeln sind die Schwierigkeiten, die zu überwinden 
sind, am grüssten, denn sie sind so unausgesetzt mechanischen und che- 
mischen zerstörenden Einflüssen unterworfen, wie keine andere Thouwaare. 
Dazu kommt, dass gerade die Ziegelerde, die unreinste Thonsorte, am 
schwierigsten die Bedingung erfüllt, sich mit der Glasur so innig zu ver- 
binden, dass nicht Risse und blnsige oder blätterige Stellen entstehen. 
Bei leichtiliissiger Glasur bleibt der Ziegel beim Brennen ungar; 
bei strengflüssiger schmilzt vielleicht die Thonmasse mit. 
Ausschliessliche Bleiglasuren sind darum von vornherein nicht zu 
brauchen; um sie strengflüssiger und auch weniger verwitterter zu machen, 
gibt man Zuthaten von Braunstein (Mangansuperoxyd) mit Kiesel oder 
Sand, die damit zu Silicaten verschmelzen, deren Brauchbarkeit nicht 
theoretisch vorherbestimmbar, sondern einzig durch langes Probiren er- 
mittelbar ist. 
Wo es nicht auf die Schönheit der Farbe zugleich ankommt, kann 
man sich statt der eisenhaltigen schlackenähnlicher Glasuren bedienen, 
die man, wie ich früher erwähnte, auch für andere Töpferwaaren oft 
schon vorgeschlagen hat. 
Salzglasuren sind durchgängig weniger wetterbeständig als andere, 
schon darum, weil die Glasurschichte nach dieser Methode immer nur 
sehr dünn ausfällt. 
Für einfarbig, dunkelbraun oder schwarz zu glasirende Waare nimmt man ein Ge- 
misch von Bleigliitte (20), Braunstein (3) und Thonscblempe, dem man eine Consistenz 
gibt, dass eine Thonkugel darin schwimmt. Eine Zuthat von l'[,-2"j„ Kupferoxyd macht 
die Glasur schwarz. Die rohen Ziegel werden mit der diinnbreiigcn Masse begossen, ge- 
trocknet und gebrannt. 
Die Masse für farbige Glasuren, die man mit dem Pinsel aufträgt, besteht aus etwa 
16 Bleioxyd (Glätte), 3-5 Quarzsand, 4 Thon, 2 Kochsalz, 3-4 Glas und manchmal 
einem kleinen Zusatz von Salpeter (1). 
Die weisse oder Emailfarbe wird hervorgebracht durch Zinnoxyd, 
die gelbe durch Antimouoxyd, die grüne durch Kupieroxyd, die rothe 
durch Kupferoxydul, die blaue durch Kobaltoxyd, die violette durch 
Braunstein.
	        

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