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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 71)

Die Gißigkeit oder Schädlichkeit aller Bleipriiparate aber ist bekannt. Die Fälle 
sind zahlreich, dass auf die obige Weise wirklich Erkrankungen, wenn auch nicht gerade 
mit tödtlicbem Ausgang, stattgefunden haben. 
Aber es lässt sich leicht zeigen, dass ein und dieselbe Glasur auf einer und der- 
selben Thonmasse verschieden widerstandsfähig wird, sowohl was ihr Haften an der Masse, 
als auch was ihre Löslichkeit in Säuren angeht, je nachdem die Hitze grösser oder kleiner 
war, die man bei dem Brennen und Glasiren des Geschirres anwandte. 
Reichte sie nur hin, das Geschirr hart zu brennen und die Glasur zu schmelzen, 
so besteht diese letztem auch fast auschliesslich nur aus kieselsaurem Bleioxyd. 
Dieses Silicst ist aber im Stande, mit anderen Silicaten (und ein solches ist ja der 
Thon) zu Doppelsiiicaten zusammenzuschmelzen, wenn die Temperatur höher ist. 
Brennt man die Waare bei einer solchen, so ist die Glasur nicht blos kieselsaures 
Bleioxyd, sondern ein, wenn auch variable Mengen von kieselsaurer Thouerde enthaltendes 
Doppelsilicat. 
Ein solches Doppelsilicat ist nun, weil es sein Material zum Theil aus der Masse 
selbst bezogen hat, nicht nur viel fester auf diese sufgeschmolzen, reisst und springt we- 
niger leicht, sondern, was die Hauptsache ist, es ist auch in solchen schwachen Säuren 
wie die genannten so gut wie unlöslich. 
Ziemlich genau dieselbe Glasur, der chemischen Zusammensetzung nach, hat ja 
auch die Fayencewaare, über deren Schädlichkeit fast nie Klage geführt wird, weil eben 
sie stets bei einer viel höheren Temperatur fertig gemacht wird, als diejenige ist, welche 
in der Regel in einem Töpferofeu gegeben wird. 
Alles kommt also darauf an, dass auch die ordinäre Töpferwaare bei möglichst 
hoher Temperatur gebrannt wird. 
Dadurch kann eine Bleiglasur ganz unschädlich gemacht werden. 
. Man überzeugt sich leicht, dass in gut bereiteten Geschirren dieser Art starker 
Essig stundenlang im Sieden gehalten werden kann, ohne dass er eine Spur Blei auflöst. 
Das Verwerdiche des Verfahrens unserer Töpfer besteht nur darin, dass sie an 
Brennmaterial sparen, um ihre Waare möglichst wohlfeil herzustellen. 
Da hierin aber eine Ueberwaehung schwer durchzuführen ist, so hat man vielfach 
nach anderen Glasuren, die ganz bleifrei sind, gesucht, und eine ziemliche Anzahl in Vor- 
schlag gebracht. 
Es sind meistens schwer schmelzbare Alkalisilicate oder Alkali-Erdsilicate, endlich 
auch Eisensilicate, die hergestellt werden aus Soda (kohlens. Natron) und Sand oder Quarz, 
Soda, Sand und Thon, Thon und Eisenhammerschlag (Oxydoxydul) mit oder ohne Zusatz 
von etwas Flussspath, der den Schmelzpunkt herabdriickt. 
Dass alle diese Vorschläge in der Praxis wenig Eingang gefunden haben, liegt daran, 
dass diese Glasuren an sich schon etwas theuerer, zum Anfschmelzen eine Temperatur 
erfordern, die die verlangte Wohlfeilheit dieser Geschirre nicht zulässt, und endlich sind 
diese Glasuren bei weitem nicht so geschmeidig wie die Bleiglasuren (es entsteht viel 
Ausschusswaare) und sie bekommen noch weit leichter als diese Risse und Sprünge. 
Die Temperatur, bei der diese Glasuren aufgebrannt werden müssen, ist in jedem 
Falle so hoch, dass durch sie auch die Bleiglasuren unschädlich werden. 
Uebrigens liegt es vielfach nur an einer uuzweckmlissigen Ofenconstruction, dass 
unsere Töpfer bei einem immerhin beträchtlichen Aufwand an Brennmaterial doch nur 
verhältuissmässig niedere Temperaturen erzielen, und Alles, was man von Seite der Be- 
hörde veranlassan könnte, wäre, darauf zu wirken, dass die alten Töpferöfen durch die 
sehr verbesserten neuerer Bauart ersetzt werden. 
Manches ordinäre Geschirr, und besonders die Ofenkacheln, erhalten 
eine emailartige weisse Glasur, die der Waare ein gewisses porcellsn- 
artiges Aussehen gibt, daher man die Oefen auch wohl Porcellanöfen 
nennt, obwohl die Masse keineswegs zur Porcellangruppe der Waaren ge- 
hört, sondern durchaus zur Gruppe der porösen Thonwaaren. 
Feinere Sorten solcher Waaren werden von vornherein aus einem 
sehr reinen, möglichst wenig eisenschüssigen Thon gemacht, vorgebrannt, 
vielleicht dann noch abgeschliffen und zuletzt durch Begiessen die Glasur 
aufgebracht und diese dann nach dem Trocknen aufgeschmolzen. 
Die Glasuren sind durchgängig Bleiglasuren, deren Undurchsichtig- 
keit oder Email durch eine Zuthat von Zinnoxyd, sogenannter Zinnasche
	        

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