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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 76)

Zeichner. 
Künstler wirken in verschiedener Art anregend und fördernd auf 
die Kunstgewerbe ein; grosse Künstler theils durch ihre Arbeiten und die 
Anregungen, die durch ihre Leistungen und die von diesen vertretenen 
Kunstrichtungen ausgehen, tbeils dadurch, dass sie selbst einige kunst- 
gewerbliche Werke schaffen. 
In ersterer Richtung war der Einiluss der Künstler immer ein grosser 
und der Natur der Dinge nach vollkommen berechtigter; in letzterer Be- 
ziehung war ihr Wirken nur dann von Erfolg begleitet, wenn sie selbst 
eine klare Einsicht in die Bedingungen eines kunstgewerblichen Produotes 
gehabt, sie selbst nicht von falschen Anschauungen beherrscht waren. 
Dass dies selbst bei Künstlern ersten Ranges nicht immer der Fall wer, 
zeigen manche kunstgewerbliche Versuche Moriz v. Schwind's, eines 
Künstlers, dem gewiss Niemand eine eminente Bedeutung auf dem Gebiete 
der zeichnenden Künste absprechen wird. 
Dieser von Künstlern pur excellence ausgehende Einfluss -- sei der- 
selbe nun ein permanenter, oder nur ein, so zu sagen, stossweise erfol- 
gender - reicht aber nicht aus, um der modernen Industrie zu genügen. 
Wie diese eben so sehr auf Befriedigung der Anforderungen Einzelner, 
als auch auf Befriedigung von Massenbedürfnissen gerichtet ist, so muss 
sie auch eine grosse Anzahl gut geschulter Zeichner und auch solcher 
Zeichner zur Verfügung haben, welche im Stande sind, sowohl auf be- 
stimmte Anfordernngen des Stiles, als auch auf das Technische der ein- 
zelnen F abricationszweige einzugehen. Die Zeichnungen müssen nicht blos 
an und für sich schön, sondern sie müssen auch ausführbar sein; für den 
Fabrikanten, den Grossindustriellen ist jene Zeichnung die beste, welche 
Schönheit mit Ausführbarkeit verbindet. Soll irgend ein Febrications- 
zweig in Schwung kommen, einen erhöhten Absatz durch eine stilgerech- 
tere Zeichnung, eine gelungene Farbenzusammenstellung erreichen, so 
muss eine genügende Zahl fachmännisch und tüchtig gebildeter Zeichner 
vorhanden sein. Diese fehlten der gesammten deutschen Industrie nicht 
minder als der österreichischen, und fehlen theilweise noch bis auf den 
heutigen Tag 
Man half sich entweder dadurch, dass man illustrirte Zeitungen und 
Kataloge ausbeutete, wie die Stuttgarter vGewerbehalleu, die Münchener 
nKunstgewerbliche Zeitungu, die wUArt pour toutu, die illustrirten Brock- 
haus'schen Weltausstellungskataloge oder andere, mit Zeichnungen ver- 
sehene Special-Publicationen - man half sich in der Regel in einer nicht 
sehr glücklichen Art. Denn auch das Uebertragen oder Bearbeiten einer 
schon vorhandenen Zeichnung setzt ein gewisses künstlerisches Verständ- 
rniss voraus. In dieser Benützung von artistischen Publicationen kam den 
Bedürfnissen jener Industriellen, denen es entweder an Geld oder gutem
	        

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