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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 76)

Willen fehlt, kunstgebildete Zeichner in Anspruch zu nehmen, die unge- 
nügende Musterschutz-Gesetzgebung zu Statten; sie konnten weidlich 
plündern, um sie etwas Gutes fanden, ohne in Gefahr zu gerathen, wegen 
dieses geistigen Diebstahls mit den Gerichten in unangenehme Berührung 
zu. kommen. ' 
Bei: dieser Art von Gebahnmg wurde die gesamntte Industrie in 
einer steigenden Progression von Frankreich abhängig; dort gab es unter 
dem Schutze einer guten Gmetzgebung bereits geschulte Zeichner und 
Ateliers für Musterzeicltnlmgen; auch der aztistisch-literarische Markt wird 
van Frankreich aus. viel mehr mit brauchbarer-er: Publricationen versehen, 
als es vom England, Italien und Ihutsclzlaitd aus. geschieht. Viele der 
intelligenteren Grossindustriellen waren förmlich genizithigt, in Park selbst 
Zeichner für ihre Zwecke zn beschäftigen, wie die Slmwl- und Spitzen- 
fabriitanten etc. Auch die sog. Musterlager wirken in dieser Beziehung 
llällflg eher: schädlich ab: nützlich, insbanndere dann, wenn den Leitern die 
Einsicht in die Bedingmgen eines kunstgewerblichen Betriebes abgeht. Sie 
leiten häufig mehr an, Fremdes geschickt oder ungeschickt zu benützen, 
_ als selbstständig zu denken und zu schaifen. Und für ein grosses Pub- 
licurn ist es:  doch am Ende nur darum zu thun, dass Etwas eine fran- 
zösische, oder englische oder überhaupt fremdiändische Facon habe, - 
der Verkäufer war dann seines Erfolges sicher. Da nun leider auch ein 
Theil des vornehmen Puhlicums zu dem p. t. Grussen zu rechnen ist, so 
kam auf dem deutschen und dem österreichischen Markme der Industrielle, 
der mit eigenem gdstigen Capitale arbeitet, häufig in Nachtheil gegen 
jenen, der fremde Gedanken, sei es direct oder durch den Weg der 
Musterlager, geschickt annexirt. 
Am allerwenigsten aber ist der Kunstindtrie mitKünstlern gedient, 
die, weil sie auf dem Gebiete der eigentlichen Kunst kein Fortkommen 
finden, sich auf die Kunstgewerbe werfen. Abgesehen davon, dass sie das 
künstlerische Unvermögen in diese Art insdustriekle Production übertragen, 
fehlt es denselben vor Allem an der nöthig Vorbildung und die entspre- 
chende Einsicht in die technischen und commerciellen Bedingungen der 
industriellen Prnduction. 
In Oesterreich speciel} ist eine Wendung zum Besseren eingetreten; 
einen der hervorragendsten Erfolge der kunstgewerblichen Ausstellung des 
Museums ist es aben, dass auf derselben diese Wendung in unzweifelhafter 
Weise oonstatirt wurde. 
Eine Reihe von Muster-zeichnen treten auf derselben auf; eine grosse 
Anzahl von Industriellen nennen die Künstler und Zeichner, welche sie be- 
nützt haben. Den Einfluss und die specielle Bedeutung derselben für ein- 
zelne Fabricatinnszweige den F achreferenten überlassend, führen wir nur 
dasjenige auf, was für das Auftreten der Musterzeichner, als solcher, vom 
iußßmein ästhetischen oder statistischen Gesichtspunkte von Wichtig- 
eit ist.
	        

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