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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 76)

Aulgabe sein wird, mit kundiger Hand sichtend und erläuternd die her- 
vorragenden oder lehrreicheren Leistungen auf der Ausstellung zu be- 
sprechen, wird es zugleich unerlässlich sein, Gesichtspunkte allgemeinerer 
Art zu erörtern, die Gesetze des Geschmackes auf das Gebotene zur An- 
wendung zu bringen,'die Lücken, welche sich in der Ausstellung finden, 
aufzudecken, dem Irrenden eine Richtung, dem Vorwärtsstrebenden Winke 
zu geben, die geeignet sind, den Fortschritt der österreichischen ,Kunst- 
industrie auch in der Zukunft zu sichern. 
Denn so gewiss es ist, dass in den letzten Jahren ganz Ausseror- 
deutliches geleistet wurde, eben so gewiss ist es, dass man sich bei dem 
nicht beruhigen darf, was erreicht wurde, und dass grosse Anstrengungen 
gemacht werden müssen, um auch in der Zukunft allen Ansprüchen voll- 
ständig zu genügen. 
Die grössten Schwierigkeiten, welche der Erfüllung dieser Wünsche 
entgegen treten, liegen in äusseren Verhältnissen. 
Der grösste Theil der in den Kronländern lebenden Künstler und 
Kunsthandwerker befindet sich in einer isolirten Stellung und bewegt 
sich auf einem grossentheils schon veralteten Standpunkte. Nur wenige 
von den Ausstellern der Kronländer gehen auf die Forderungen des mo- 
dernen Geschmackes vollständig ein, die meisten beharren bei ihren bis- 
herigen Gewohnheiten und stellen sich mit den Erfolgen zufrieden, die 
sie auf beschränktem Gebiete in beengten Kreisen finden. Das war wohl 
mehr ein Grund, warum sehr viele Industrielle ihre Anmeldungen zurück- 
gezogen haben; sie hatten eben das Gefühl, auf einer Ausstellung nicht 
vollständig genügen zu können, bei der erhöhte Ansprüche gemacht 
wurden. Dazu kommen noch politische Verhältnisse, welche hemmend 
auf die kunstindustriellen Productionen in den Kronländern wirken. 
in manchen iKronländern stehen sich die Nationalparteien schroff 
gegenüber und die Aufmerksamkeit der Gewerbetreibenden und Indu- 
striellen ist durch politische Agitationen absorbirt. 
Triest gravitirt nach seiner ganzen Geschmacksrichtung nach Italien; 
was dort producirt wird, steht nicht in demselben Verhältniss zu Wien, 
wie dieselben Productionen von Marseille und Lyon zu Paris. Die Kron- 
länder untereinander sind nichts weniger als in einem intimen Connexe; 
nur die Grossindustrie und der Eisenbahn-Verkehr, die zwingende Gewalt 
der industriellen Bewegung, welche alle provinziellen Schranken durch- 
bricht, nur die Bedürfnisse der Grossstädte und des Weltmarktes sind es, 
die zu einer gewissen gemeinsamen Action auch diejenigen drängen, welche 
innerlich derselben sich widersetzen. Dazu kömmt noch, dass die meisten 
Landes-Museen historische, archäologische und nationale Zwecke verfolgen, 
sich um die kunstindustriellen Bedürfnisse der Kronländer gar nicht küm- 
mern. Ihre Sammlungen sind im Winter meistens geschlossen, im Sommer 
grossentheils nur für den Fremden-Verkehr berechnet, und nützen daher 
der Kunstindustrie des Landes relativ sehr wenig. Das Oesterr. Museum
	        

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