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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 76)

solchen Fällen als ohnmächtig, dem Gegenstande, welcher dargestellt wer- 
den soll, eine poetische Seite abzugewinnen. Die trockene Nachahmung 
der Natur stellt sich dort immer ein, wo die Kraft zu erfinden, nicht vor- 
handen ist. Das einzige was, ich will nicht sagen zur Entschuldigung, doch 
zur Erklärung solcher Erscheinungen dient, ist der geringe Grad der Bil- 
dung von Seiten der Besteller. Einen Baum en miniature, ein silbernes 
Ross, das verstehen sie noch; - was über diese plastische Handgreifiichkeit 
hinausgeht, entzieht sich dem Horizonte ihres Geistes, und innerhalb dieses 
I-lorizontes müssen eben die Aufträge durchgeführt werden. 
Bei manchen Objecten ähnlicher Art, welche zur Ausstellung kamen, 
lässt sich aber nicht verkennen, weder ein gewissen Geschick in der An- 
ordnung, noch Sorgfalt in der Durchführung. Dass sowohl auf das eine, 
wie auf das andere einiges Gewicht gelegt, dass überhaupt auf die Wahl 
des Modelles Aufmerksamkeit verwendet wird, und nicht mehr allein der 
materielle Metallwerth den Ausschlag gibt, betrachten wir bei diesen ano- 
nymen plastischen Werken als einen Fortschritt, wenn wir erwägen, wie 
vor zehn oder zwanzig Jahren Gegenstände ähnlicher Art behandelt wurden. 
Der specifisch wienerische Naturalismus tritt nirgends so charakteri- 
stisch hervor, als in den Arbeiten in Meerschaum, die seit einer langen 
Zeit schon eine Wiener Specialität geworden sind. Zwei der renommirte- 
sten Firmen Wiens, Franz Hiess und L. Hartmann 8a Eidam, haben 
Gegenstände solcher Art ausgestellt. Keine Gebrauchsgegenstände, sondern 
Luxusartikel, die offenbar an jenen Orten einen Ehrenplatz einnehmen, 
in denen die Virtuosen des Rauchens ihre Rauchapparate aufzustellen 
pflegen. Diese Thiere und Menschenköpfe, die in Meerschaurn dargestellt 
werden, gehören in ihrer Art zu dem technisch Vollencletsten, was in der 
plastischen Kleinkunst zur Ausstellung gekommen ist. Vorn Standpunkte 
der Aesthetik und des Geschmackes hat man allen Grund, diese Ochsen- 
und Hundeköpfe, männliche und weibliche Charakterköpfe, oben ausge- 
höhlt und vorne mit der obligaten Bernsteinspitze versehen, zu perhorres- 
Ciren; prüft man aber dieselben vom Gesichtspunkte technischer Virtuosität, 
künstlicher Routine, so wird man nicht umhin können, anzuerkennen, 
dass im Kreise dieser Künstler, die sich den Mecrschaurnarbeiten zuwen- 
den , sich nicht gewöhnliche Talente befinden. Eine Specialität sind die 
technisch vorzüglich ausgeführten Rauchvasen von Aug. Lütke. 
Unter den plastischen Objecten naturalistischer Richtung, die in der 
Ausstellung vorkommen, zeigen die Arbeiten von Josef Weitmann Ge- 
schick und Routine. Die Arbeiten von Minna Weitmann verdienen be- 
sonders erwähnt zu werden, da die Künstlerin in der plastischen Darstel- 
lung Blumen, und in der Kunst, dieselben bestimmten Gebrauchsgegen- 
ständen anzupassen, ein entschiedenes Talent hat. 
Aus den Kreis der rein antikisirenden oder derb-naturalistischen 
Richtung treten einige ornarnentale Bildhauer heraus, und Professor Otto 
König mit seiner Schule und der Bildhauer Johann Benk.
	        

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