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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 86)

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nDie beiden Vereine, welche die Interessen des kleinen Gewerbes in 
Gratz zu vertreten berufen sind, der steierrnärkische Kunstindustrie- und 
der Gewerbeverein, haben in Erkenntniss der Nothlage nicht geruht, bis es 
ihnen gelungen ist, dem Gewerbestande der Steiermark eine Gewerbe- 
schule zu gründen. Selbe wird im Gebäude der Schiessstätte eröffnet. 
Beide Vereine wenden alle ihre Kräfte an, diese Schule dem Zwecke 
entsprechend einzurichten. Sie widmen derselben zusammen 2200 H. baar 
und die Localitäten. Der Staat hat nicht ermangelt, die Schule zu unter- 
stützen, die Vereine erhalten aus Rechtsmitteln eine jährliche Subvention 
von 3400 fl. zur Verfügung. Unsere Landesvertretung wird weiters in 
der nächsten Session beschliesseu, welche Mittel sie dem heimatlichen 
Gewerbestande zuwenden wird, und zweifeln wir nicht, dass sie das 
Nöthige für die Schule bewilligen wird. Auch die Stadtgemeinden werden 
gewiss gerne der Schule ihre Unterstützung zuwenden. Bis dahin aber soll 
die Schule nur in den niedrigsten Coursen bestehen. 
Die wichtigste Frage ist nun: Wie werden sich diejenigen, welche 
an dem Bestande der Schule das grösste Interesse haben, derselben gegen- 
über verhalten? 
Werden die Meister, werden die Eltern der jungen Gewerbe- 
beflissenen, werden die Fachgenossenschaften das richtige Verständ- 
niss ihres eigenen Vortheiles haben? An der Grazer Gewerbeschule soll 
der Unterricht nicht allein an einigen wenigen Stunden der Sonntage, 
sondern auch an einzelnen Wochentagen, vorläufig an zwei, je durCh 
zwei Stunden, ertheilt werden. Wir wissen, dass selbst diese Zeit Anfech- 
tungen erleiden wird, hoffen aber, dass nach und nach die Ueberzeugung 
an Boden gewinnen wird, dass die Zeit des Lernens zu kurz, die Masse 
des zu Lernenden aber viel zu gross ist, um nur einzelne Sonntags-Stunden 
dafür zu verwenden. 
Es handelt sich hier nämlich nicht um eine sonntägige wFortbildungs- 
schulen, da es leider noch wenig fortzubilden gibt, es handelt sich um 
eine den Verhältnissen entsprechende Gewerbeschule. 
Es steht zu hoffen, dass diejenigen Meister, Eltern und Vereine, 
welche die Nothwendigkeit fühlen, dass der junge Lehrling etwas Tüchtiges 
lerne, mit dem guten Beispiele vorangehen und über Aufforderung der 
Schuldirection nicht nur einwilligen, dass einzelne Stunden der Wochen- 
tage dem Lernen zugewendet werden, sondern dass sie auch darauf halten, 
dass die jungen Leute mit Ernst und Fleiss die Schule besuchen. Die 
übrigen Meister werden theils dem guten Beispiele folgen, Theils 151111311 
die zwingende Nothwendigkeit dazu bemüssigt werden. 
Wir zweifeln nicht, dass heute über fünf Jahre der Unterricht in 
einzelnen Stunden an allen Wochentagen ertheilt werden Wird und dass 
die Schüler unserer Gewerbeschule, wenn sie selbst Meister geworden, 
darauf dringen werden, dass die Schulstunden beträchtlich vermell" Werdem
	        

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