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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 86)

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stehenden Gefässe gearbeitet sind. Von Natur aus zeigte dieser Thon, 
nachdem er gebrannt war, eine sanft rothe Farbe, die durch einen Zusatz 
von Mennig erhöht wurde. Es wird dem Thon von dem Vorgebirge 
Kolias als ein besonderer Vorzug nachgerühmt, dass er sich zur Mischung 
mit dem Mennigzusatz trefflich eigne. Die Athener scheinen zu dieser 
Vermengung mit ihrer Thonerde namentlich Mennig von Keos verwendet 
zu haben. Wenigstens besitzen wir noch eine Vertragsurkunde (Boeckh, 
Staatsh. Il, 24g), worin sie sich die alleinige Ausfuhr des Röthels von 
jenen Inseln sichern. 
Aus dem so zubereiteten Thon wurden die Gefässe nun auf der 
Töpferscheibe, die beiläufig bemerkt schon Homer kennt, in der Haupt- 
form frei herausgearbeitet, dann Henkel, Fuss und auch wohl Hals an- 
gesetzt, das Ganze mit einem dünnen rothen Pigment überzogen und hier- 
nach das erste Mal in's Feuer gebracht. 
Die weitere Procedur bestand in der Bemalung. Diese schafft die 
Decoration; sie bringt zusammen mit der Form den künstlerischen Total- 
eindruck der Gefässe hervor. Das Grundelement dieser farbigen Deco- 
ration - und ein plastisches Ornament kommt in den attischen Gefässen 
nie vor - ist ein einfaches glänzendes Schwarz, welches auf den rothen 
Thongrund mit dem Pinsel aufgetragen ist. Wir sind über die chemische 
Beschaffenheit dieser schwarzen Farbe, deren künstlerische Qualitäten Sie 
gleich näher kennen lernen werden, noch nicht völlig aufgeklärt. Herr 
College Hlasiwetz war so freundlich, ein uns vom Custos Falke gütigst 
zur Verfügung gestelltes kleines attisches Gefäss in seinem Laborato- 
rium einer Prüfung zu unterziehen, und was ich Ihnen mit seiner Er- 
laubniss als Resultat dieser freilich noch nicht abgeschlossenen Analysen 
mittheilen kann, ist Folgendes: 
Der schwarze glänzende Ueberzug ist keine Bleiglasur, wie sie unsere 
Fayence, und keine Erdsilicatglasur,_ wie sie unser Porcellan trägt. Er 
unterscheidet sich von dem, was wir Glasur nennen und bei den Völkern 
des classischen Alterthums überhaupt sich nicht vorfindet, sehr scharf. 
Denn die Glasur ist eine schwammige Masse, welche auf das Gefäss 
ziemlich dick aufgetragen und dann im Feuer mit ihm zusammenge- 
schmolzen wird. Dieser schwarze Ueberzug der Vasen ist dagegen nur 
eIn Hauch, in kaum noch messbarer Dlinnigkeit auf den Thongrund ge- 
bracht. Wir sehen das deutlich an der Bruchfläche des kleinen Gefässes. 
Mit blossem Auge ist es unmöglich, irgend eine Schicht, die sich bestimmt 
gegen das Roth abgrenzte oder darin sich allmälig verlöre, zu erkennen. 
Da wo das Roth aufhört, an der Grenze des Nichts, da ist das Schwarz 
mit leicht über die Fläche hineilendem Pinsel aufgesetzt. Mit welchem 
Bindemittel, das ist noch nicht festgestellt. Dagegen ergab die Unter- 
suchung deutlich die Grundirung von röthlichem Thonschlamm, welcher 
noch vor der schwarzen Farbe, wie oben bemerkt, auf das Gefäss aufge- 
tragen wurde. Sie blättert in zarten Lamellen ab, wie Sie solche in diesem
	        

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