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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 88)

bisweilen in Gestalt winziger, geflügelter Genien das Grabmal umschweben, 
Kränze, bunte Binden, Früchte und Blumen in Körben, auch wohl Thiere 
zum Opfer dar. Der Styl der Darstellung ist, um es mit einem Worte 
zu sagen, streng plastisch, ganz analog dem Styl der attischen Grab- 
reliefs, eben den Reliefs an jenen in der Mitte der Lekythen abgebildeten 
Grabstelen, wie sie auch in Stein so zahlreich, namentlich seit den Aus- 
grabungen der jüngsten Zeit, auf attischem Boden uns erhalten sind. Er 
ist nicht nur plastisch in der klaren einfachen Disposition der Gruppen, 
in der jugendlich schönen Idealbildung der Gestalten, sondern vor Allem 
in der Auffassung des seelischen Gehalts der Darstellung, welcher niemals 
in heftigen Schmerzausbrüchen, in momentanen Atfecten sich äussert, 
sondern von einer würdevollen Ruhe erfüllt ist, über welcher die Trauer 
nur wie ein zarter Schleier ausgebreitet liegt. Die bekannte schöne Stelle 
in Goethe's italienischer Reise, welche von den Grabreliefs der Alten 
handelt, passt fast wörtlich auch auf diese Bilder: vDer Wind, der von 
den Gräbern der Alten herweht, kommt mit Wohlgerüchen über einen 
Rosenhügel. Die Grabmäler sind herzlich und rührend und stellen immer 
das Leben her. - Da stehen Vater und Mutter, der Sohn in der Mitte, 
einander mit unaussprechlicher Natürlichkeit anblic-kend. Hier reicht sich 
ein Paar die Hände. - Der Künstler hat mit mehr oder weniger Geschick 
nur die einfache Gegenwart der Menschen hingestellt, ihre Existenz da- 
durch fortgesetzt und bleibend gemachtm Nur dass hier auf den Grab- 
vasen die Tonart insoferne eine mehr elegische ist, als mehr der geistige 
Verkehr der Ueberlebenden mit den Todten, als der wirkliche der Lebenden 
unter einander den Inhalt der Darstellungen bildet. Mit die anmuthigsten 
unter diesen Scenen des Todtencultus sind diejenigen, in welchen man 
einen von aussen, gleichsam aus der Fremde kommenden Theilnehmer in 
die Situation eintreten sicht. Eben sind die Angehörigen mit dem Schmucke 
des Grabes beschäftigt, da kommt ein Wanderer die Strasse her, an 
welcher der Denkstein nach antiker Sitte steht, und fragt theilnehmend, 
aber mit schüchterner Zurückhaltung nach dem Namen des Verstorbenen. 
Oft glauben wir Erkennungsscenen von Geschwistern oder lange getrennt 
gewesenen Verwandten am Grabe der Ihrigen vor uns zu sehen. Aber 
diese Andeutungen concreter Vorgänge sind nur obenhin und ebenso 
wenig deutlich erkennbar, wie etwa Porträts bestimmter Individualitäten. 
'Das allen Darstellungen Gemeinsame ist der Hauch zartbeseelter Schön- 
heit, der das Ganze durchweht: dieser Zauber, den Alles athmet, das die 
Hand eines Griechen berührt hat. Wem fielen hier nicht Lessing's 
Worte ein, mit denen er seine berühmte Abhandlung: uWie die Alten 
den Tod gebildetu beschliesst: nNur die missverstandene Religion kann 
uns von dem Schönen entfernen, und es ist ein Beweis für die wahre, 
für die richtig verstandene wahre Religion, wenn sie uns überall auf das 
Schöne zurückbringtm 
Die Ausführung der Malereien an den Lekythen der besten Zeit
	        

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