MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 88)

267 
auf Märkte, Strassen und in die Buden des schlichten Handwerkers herab- 
gestiegen. Das Handwerk hat sich losgerissen von der kleinbürgerlichen 
Gebundenheit, es ist Grossindustrie geworden und kommt dem Bedürf- 
nisse und dem Geschmacke ganzer Völker und Jahrhunderte entgegen, 
ohne deren wechselnden Launen und Moden zu fröhnen und die alte 
Tüchtigkeit der ihm durch den Stoff an die Hand gegebenen Technik 
einzubüssen. In dieser Vereinigung der Kunst mit der lndustrie ist die 
hohe Rangstellung Athens auf dem hier besprochenen Gebiete begründet. 
Athen bietet uns zum ersten Mal in der Geschichte das Bild einer indu- 
striellen Weltmacht, deren Producte ebenso sehr den Ansprüchen der 
Schönheit wie den praktischen Erfordernissen der Billigkeit und Solidität 
genügen. Dass hierin das ganze Heil für das kunstindustrielle Schaffen 
beschlossen ist, das brauche ich an dieser Stelle kaum anzudeuten. Wir} 
alle haben es mit angesehen, und sehen es noch, wie schwer sich das 
der Mode und dem rohen Geschmack _der Menge preisgegebene Hand- 
werk zur stylvollen Schönheit emporarbeitet. Kaum aber ist die Wieder- 
vereinigung von Handwerk und Kunst gelungen, so stelltsich eine Ver- 
theuerung der Production ein, welche den Segen der Schönheit dann 
wieder nur den Luxusgegenständen und besonders bevorzugten Classen 
der Gesellschaft zu Theil werden lässt. Dass diesem Uebelstande ge- 
steuert uxid das mit Schönheit getränkte Handwerk zur wirklichenKunst- 
industrie entwickelt werde, darin besteht die Aufgabe unserer Zukunft. 
Damit gewinnt also das alte Athen auch auf dem Felde des industriellen 
Lebens, wie auf dem der Wissenschaft und Kunst, die Bedeutung der 
classischen, der vorbildlichen Stadt. Wenn es mir gelungen sein sollte, 
sie als solche in dem engen Rahmen dieser Vorträge vor lhren Augen 
wieder lebendig zu machen, so wäre meine Aufgabe erfüllt. 
Tiroler llarmor. 
In der Angelegenheit wegen Errichtung einer Zeichnenschule, welche 
den Zweck haben soll, die Gewinnung und Bearbeitung des Vintschgauer 
Marmors, der in den Brüchen bei Laas im Etschthale so reichlich vor- 
kommt, durch geregelte Production vom volkswirthschaftlichen und kunst- 
industriellen Standpunkte zu heben, sind in neuester Zeit bedeutende 
Fortschritte gemacht worden. Nachdem, wie wir unseren Lesern bereits 
mittheilten, von Seiten der dortigen Ortsgemeinde und des gegenwärtigen 
Besitzers der Marmorbrliche, Herrn Steinhäuser, die allseitigste Bereit- 
willigkeit, das Unternehmen zu unterstützen, erklärt wurde, hat das hohe 
Handelsministerium den Professor der Kunstgewerbeschule des Oesterr. 
_ Museums, Herrn Architekten Valentin Teirich, beauftragt, das Locale 
und die gegenwärtigen Zustände der Steinbrüche und der damit verhun- 
denen Arbeiten zu besichtigen und über die Resultate hierüber Bericht
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.