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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 2)

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nur für Mobiliar, für die Textilindustrie, für Porzellan, Glas, Bronze, 
Silber, Gold u. s. w. im Geiste dieser Materialien zu ertinden und zu 
zeichnen? Und wenn sie, die Architekten, das gelernt hätten, wie hätten 
sie, die wenigen an Zahl dem Bedürfniss der ganzen Industrie genügen 
können? 
An dieser Zeitschrift des Gewerbevereines hatten nun die ersten 
Architekten nicht blos mitgearbeitet, sie hatten redigirt, componirt und 
Andere zum Schaffen angeregt und - sie hatten vollständig Fiasco 
gemacht. Der große Fehler, an dem sie alle krankten, war, dass sie sich 
von der Architektur nicht losmachen, den Architekten nicht vergessen 
konnten und sich nicht in die Eigenart jedes einzelnen Gewerbes zu ver- 
senken vermochten. Alles war construirt, in Stein gedacht, mit architek- 
tonischen Ornamenten bedeckt. Ein Taufstein und ein Silberpokal waren 
allein durch die Größe unterschieden, in der Zeichnung aber völlig gleich. 
Zum Dritten (neben Central-Commission und Gewerbeverein) war es 
auch der Kunstverein, welcher glaubte sich der Kunstindustrie annehmen 
zu müssen. Jedes Jahr bestimmte er einen Frühlingsmonat zu einer kunst- 
gewerblichen Ausstellung. Als es dazu kam, hatte man es mit halb- 
jährigen: Bemühen, mit allen Annoncen und Programmen auf neun 
Anmeldungen gebracht, von denen keine zu brauchen war. S0 wenig gab 
es Verständniß im Gewerbe selber. 
Unter solchen Umständen nun konnte ein Institut wie das South- 
Kensington-Museum, wenn in richtige Bahn gebracht, auch in Wien und 
Oesterreich nur von wohlthätigen Folgen sein. Ueberall im Gewerbe und 
im Publicum waren Wunsch unri Wille da, aber überall fehlten Kraft 
und Verständniss. Und ohne Zweifel war Eitelberger der rechte Mann, 
dem die Aufgabe zufiel. Durch Studium und Reisen gleicherweise gebildet, 
gewohnt die Dinge der Kunst im Großen anzuschauen, nahm er stets die 
weitesten Gesichtspunkte, und mit enger Beschränkung, vielleicht gar 
auf das Handwerk oder auf die arbeitende Hand, wäre hier nichts gethan 
gewesen. Seine Tbeilnahme an der Centralcommission und ihren Arbeiten 
hatte ihn auch mit den Dingen der sogenannten Kleinkunst vertraut 
gemacht, die sonst der Kunstgelehrte gewöhnlich zur Seite lässt. Sein 
finderischer Kopf zeigte ihm die Mittel und die Wege, wie vorzugehen 
war, wie den Schwierigkeiten auszuweichen oder sie zu überwinden waren, 
und seine Ungeduld, seine Rührigkeit, seine Unerrnüdlichkeit trieben die 
Sache rasch vorwärts. 
Es wäre freilich das Einfachste gewesen, das Londoner Museum nach 
allen Seiten zu copiren, und es wäre auch damit gegangen. Allein dem 
South-Kensington-Museum stand damals bereits jährlich eine Million 
Gulden zur Verfügung, und uns waren für das erste Jahr nur 20,000 H. 
bewilligt, die sich für das nächste auf 50,000 fl. erhöhten. Wie hätte man 
mit dieser Summe, welche auch die gesamrnten Regiekosten zu tragen 
hatte, eine Sammlung wirklich bedeutender Muster und Vorbilder in
	        

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