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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 3)

gewidmete, im zweiten Stockwerke des k. k. Oesterr. Museums gelegene 
ehemalige Dienstwohnung weiland Hofrathes von Eitelberger übersiedelt. 
Außer den zur Aufstellung der Papyruskästen und für die Conservirungs- 
arbeiten dienenden Räumlichkeiten ist auch die Einrichtung eines beson- 
deren Studirzimmers in Angriff genommen worden, so dass die öffentliche 
Benutzung der Sammlung zu gelehrten Zwecken nach Maßgabe der fort- 
schreitenden Conservirungsarbeiten demnächst wird gestattet werden können. 
(Vorlesungen) Am 26. November sprach Architekt Auer über das Forum 
romanum und die neuesten Ausgrabungen. 
Der Vortragende wies zunachst auf die Bedeutung hin, welche das Forum, der 
zwischen den sieben Hügeln eingebettete Platz, während der Zeit der Republik als 
Centrum aller berathenden und beschließenden Factoren Roms, sowie als Stätte der 
ältesten Heiligthümer, hatte, was den Anlass bot, dass nach und nach als Gabe reicher 
Aedilen sich eine Reihe von Curien, Basiliken, namentlich prächtiger Tempel um den 
Platz gruppirten - allerdings in unregelmäßiger und durch den Zufall gegebener Neben- 
einandergruppirung - aber von großer malerischer Wirkung, die noch durch eine 
Staffage von Statuen, Säulen, Altären, Candelabern u. s. f. erhöht ward. Das ganze Bild 
dieser am Palatin und Capitol terrassenförmig sich aufthürmenden Tempel und Paläste 
ward bekront durch den Capitolinischen Tempel des Jupiter und die zinnenbekmnten 
Mauern der Burg. - Als gegen Ende der Republik dieses alte Forum zu klein 
wurde, erbauten die Cäsaren neue, größere und regelmäßig angelegte, die schließlich 
zusammen den Flächenraum von einem Drittel unserer inneren Stadt einnahmen. Das 
alte Forum romanum aber hatte nur eine Länge von rzo Meter bei einer ungefähren 
Breite von 60 Metern. Erst mit dem Beginne unseres Jahrhunderts wurde Hand angelegt, 
diese durch Jahrhunderte immer mehr aufgefüllt: und ausgeebnete Thalmulde wieder auf- 
zudecken und heute liegt sie bis auf das alte Pflaster vom Capitole bis zur Velia wieder 
offen vor uns. Die aufgefundenen Ueberreste stammen aber sammtlich von Bauten aus 
den Zeiten Cäsars bis Constantin, aus der Zeit der Republik ist kaum mehr etwas vor- 
handen. ln dieser Zeit war die Bedeutung des Forums durch die neuen Bauten am Mars- 
felde etwas abgeschwächt und dasselbe nur mehr eine altehrwürdige Statt: voll Ehren- 
denkmäler; nur das Nationalheiligthum und die uralten Reichsreliquien blieben noch dort 
im Heiligthume der Vesta bis zum Untergange des römischen Reiches. - Der Vor- 
tragende führt nun seine Zuhörer auf der alten Straße vom Capitole herunter, an den 
Tempeln des Vespasian, Saturn und der Concordia vorbei, durch den Bogen des Sep- 
limus Severus auf das unter dem Capilole liegende Forum, an der Basiltca Julia, dem 
Tempel der Dioskuren, Cäsars und des Antoninus vorbei, zu den neueren Ausgrabungen 
am oberen Theile, zunächst beim Templum urbis und dann von der Basilica des Con- 
stantin zurück zum Tempelheiligthume der Vesta. Redner gibt eine kurze Schilderung 
dieser von der Errungenschaft des Feuers und der Furcht, dasselbe zu verlieren, abzu- 
leitenden Institution, und zählt die Leistungen und Pflichten dieser hochangesehenen 
Priesterinnen auf. Von dem Tempel sind noch viele Bruchstücke übrig; das Atrium war 
theilweise in den Abhang des Palatin eingegraben. Wir erkennen darin einen großen 
Peristyl von I5 X 60 M., am Ende desselben erhöht einen Salon von g X tz M., dessen 
Gewülbe noch in der Luft schwebt, mit reicher Marmorpliasterung und umgeben von 
den sechs Boudoirs der Vestalinnen. - Angrenzend an den Palatin lagen auf der Süd- 
seite des Atriums eine Reihe von Gemachern, die zur Herstellung ihrer Opferlibationen 
gedient haben mochten und am Ende des Ganges ein ehemals reich ausgestattetes Prunk- 
gemach. Im Obergeschoß dieser hochgewolbten Raume ist eine Badeanstalt noch vollig 
erhalten. Die Nordseite des Atriums ist unregelmäßiger und weniger klar und bietet 
nichts Bemerkenswerthes, doch unter derselben fanden sich Ueberreste der alten Regia, 
welche Numa Pompilius hier gründete. - Der Vortragende bemerkt, dass in architek- 
tonisch-künstlerischer Beziehung der Gewinn nicht sehr hoch sei, aber in allgemein 
historischer und cultureller Beziehung, und das gelte auch von den hier gefundenen 
zwülf Statuen der Vestale maximae, die, wie die lnschriften auf den Postamenten andeuten, 
aus Dankbarkeit für ihren Einfluss bei Wahlen und Ernennungen gesetzt wurden. 
- Am 3. Deeember hielt Auer einen zweiten Vortrag: nUeber römische Architektur 
und Decorationu Die römische Architektur hat sich als mit besonderer Vielseitigkeit und 
Universalität ausgestattet erwiesen, da sie sich den verschiedenartigsten Bedürfnissen und 
den entlegensten Ländern accomodirt. Allerdings geben uns ihre Monumente nur CinCn 
dürftigen Begriff von der einstigen Große. Es, müssen alle Quellen verfolgt werden. Die 
ergiebigste ist die Renaissance, deren Architektur ein Spiegelbild der alten römischen 
Baukunst ist. Ferner geben die alten Publieationen, namentlich die Historiker verschiedene 
interessante Andeutungen.
	        

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