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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 3)

Rudolf v. Eitelberger und das Oesterreichische 
Museum ffir Kunst und Industrie. 
Vortrag, gehalten im k. k. Oesterr. Museum am 1.6. October 1885 
von J. v. Falke. 
(Schluss) 
Der Sammlung der Kunstgegenstände zur Seite stand die Kunst- 
bibliothek, die Sammlung der Bücher und der Kunstblätter. Man erwartete 
selbstverständlich, dass die Zeichner aus dem Gewerbe kommen würden 
sich die Muster aus dem Museum zu holen; für sie musste man das, was 
nicht gegenständlich vorhanden war, durch Abbildungen ergänzen. Eine 
Kunstanstalt, welche die Lehre, den Unterricht auf ihre Fahne geschrieben 
hat, kann auch der Kunstgelehrsamkeit nicht entbehren. Für den ersten 
Zweck kam ein glücklicher Zufall gleich im Anfange zu Hilfe, indem 
eine von Drugulin in Leipzig angelegte Sammlung von ornamentalen 
Kupferstichen sofort erworben werden konnte. Für den anderen Zweck 
trat Eitelberger selber ein, indem er seine eigene gelehrte Kunstbibliothek 
dem Museum darlieh und im Ballhause aufstellte. So war in beider 
Beziehung sofort der Anfang gemacht. 
Zu all' diesem fehlte aber noch Eines, und vielleicht das Wichtigste. 
Wir machten bald die Erfahrung, dass die Zeichner für die Industrie, wie 
sie in den Fabriken oder in freier Stellung vorhanden waren, dem Um- 
schwung der Dinge, den neuen und erhöhten Aufgaben sich nicht 
gewachsen zeigten. ln anderer Schule oder in gar keiner gebildet, willenlos 
dem Geschmacke der Zeit folgend, waren sie in herkömmliche Art so 
eingewurzelt, dass sie für das Neue kein Verständniss hatten. Man musste 
der Industrie einen neuen Stock von Künstlern schaffen, eine junge 
Generation, welche mehr gelernt hatte und das verstand und leisten 
konnte, was die neue Zeit mit ihren nun irnmer höher wachsenden An- 
forderungen verlangte. So wurde, schon wenige Jahre nach Gründung des 
Museums, auch die Kunstgewerbeschule in das Leben gerufen. 
Was war die Aufgabe dieser Schule? Zunächst, wie ich schon gesagt 
habe, eine junge Generation von Künstlern für das Gewerbe zu bilden. 
Aber die Aufgabe ging weiter. Wir hatten gegen die bisherige künstlerische 
Art - einen Kunststyl kann man sie ja nicht nennen - geredet und 
geschrieben, neue Principien aufgestellt und ihnen auch in der Welt 
einigermaßen Anerkennung verschafft, allein dem Worte fehlte die An- 
schauung. Die alten Gegenstände, welche als Muster dienen sollten, standen 
zwar da, aber da doch nicht die Aufgabe war, sie einfach zu copiren und 
sie auch nicht immer unmittelbar zu unserem modernen Gebrauche sich 
eigneten, so war immer noch ein ziemlicher Weg zwischen ihnen und 
ihrer modernen Verwendung. Qiesen Weg, auf welchem das Alte modern 
gemacht werden kann, wie es für unseren Brauch und unser Gefühl {JE-
	        

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