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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 3)

zugestalten ist und doch kunstgerecht und stylvoll bleibt, diesen Weg 
konnten nur Künstler zeigen. Und dieses war die zweite Aufgabe der 
Kunstgewerbeschule und ihrer Lehrer, eine Aufgabe, welche sie vollständig 
erfüllt haben, und nicht blos für Oesterreich, sondern auch für viele andere 
Länder, die unserem Beispiele gefolgt sind. Ja selbst Nordamerika erklärt 
heute sich von den englischen Vorbildern loszusagen und sich unserem 
Vorgehen anzuschließen. 
Es ist ein großes Verdienst Eitelbergefs, sofort für die Kunst- 
gewerbeschule die rechten Männer - ich brauche sie an dieser Stelle 
nicht zu nennen - herausgefunden zu haben, die mit dem vollsten Ver- 
ständniss für die alten Muster, selber von ihnen lernend, unter sich und 
mit uns in voller Harmonie lehrten und dem Gewerbe wie der jungen 
Generation die richtigen Wege zeigten. Alsbald füllten sich auch die 
Räume der Schule, und es stellte sich eine lebendige Verbindung zwi- 
schen Schule und Gewerbe ein. 
Mit der Kunstgewerbeschule war nun der Umfang dessen, was zur 
Vervollständigung des Museums nach seinem Londoner Muster und Vor- 
gänger nothwendig war, geschlossen. Aber noch befanden sich Samm- 
lungen wie Schule in ganz unzulänglichen provisorischen und noch dazu 
getrennten Localitäten. Das Museum musste wie seine festen Samm- 
lungen, so auch seinen festen und ausreichenden Sitz haben, sein eigenes 
Gebäude, in welchem es sich ausbreiten und eine Thätigkeit, z. B. in 
Bezug auf Specialausstellungen, entfalten konnte, welche ihm in den 
engen Räumen des Ballhauses versagt war. Wieder eine neue Aufgabe 
für Eitelberger, die in den ersten Jahren fast aussichtslos schien, nun 
aber ebenfalls unter besonderer Mitwirkung des Curatoriums glücklich 
gelöst wurde. Im Jahre 187i stand dieses Haus, architektonisch eine 
Schöpfung Ferstel's, vollendet da und nahm Museum und Schule zugleich 
in sich auf. Aber der letzteren. die unvermuthet und fast möchte man 
sagen, unerwünscht große Dimensionen in der Schülerzahl annahm, 
wurden die Räume zu eng und es wurde ihr das eigene Gebäude nebenan 
errichtet. Auch dieses hat nicht ausreichen wollen, da nunmehr Lehr- 
ateliers für Porzellan-, Fayence- und Emailmalerei, für Holzschnitzerei, 
für Metalltechnik, eine chemische Versuchsanstalt, eine Radirschule hinzu- 
kamen, und die Vorbereitungsschule musste - leider - auswandern 
und sich ein neues Heim suchen, das sie erst in den jüngsten Tagen 
gefunden hat. 
Erst mit dem Neugebäude der Schule hatte das Museum seine 
letzte Vollendung äußerlich erreicht. Dem längst gehegten Wunsche nach 
Specialausstellungen, der regelmäßigen Schulausstellung, der Weihnachts- 
Ausstellung, den Vorlesungen, dem Allen konnte räumlich genügt werden. 
Mittlerweile aber - es waren mehr denn zehn Jahre verflossen - hatten 
sich die Dinge der Welt auf unserem Gebiete gar gewaltig verändert. 
Die Bewegung, zu welcher die Gründung des South-Kensington-Museums
	        

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