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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 3)

wenn er selbst nicht mehr die Zeit fand, sich in sie zu vertiefen zu 
eigener Arbeit, so regte er andere an und förderte ihre Arbeiten und 
half denselben zur Publicität. So entstanden die Quellenschriften zur 
Kunstgeschichte. Seinen eigenen, schon früher gefassten Plan einer aus- 
führlichen Monographie über die Marcuskirche in Venedig, dem er noch 
iahrelang in der Zeit des Museums nachhing, konnte er nicht mehr zur 
Ausführung bringen. 
Mehr aber noch als die Literatur der Kunstgeschichte beschäftigte 
ihn das Kunstleben in Oesterreich und in Wien insbesondere. Als Mit- 
referent für Kunstangelegenheiten im Ministerium des Unterrichts hatte 
er sich ein Recht erworben, in alle diese Dinge mitzureden; als Patriot, 
als guter Oesterreicher war er bestrebt, hier, wie einen Sitz der Kunst- 
industrie, so auch einen Sitz der hohen Kunst zu Schafen. An allem, 
was auf diesem Gebiete geschah und in den letzten zwanzig Jahren 
geschalfen worden ist, hatte er den lebhaftesten Antheil. Kein monu- 
mentaler Bau kam zu Stande, ohne dass er nicht ratbend und fördernd 
mitgewirkt hätte; dass sie mit Werken der Plastik oder mit Malereien 
großen Styls einen würdigen Schmuck erhielten, war er unablässig 
bemüht. Die Dinge der Akademie der Künste, wie die der einzelnen vor- 
ragenden oder der werdenden und wachsenden Künstler lagen ihm 
gleicherweise am Herzen. 
Alles das und noch manches Andere, wie z. B. die Vermehrung der 
Theater in Wien, beschäftigte seinen Geist fast bis zum letzten Athem- 
zuge. Aber wie das von lange her schon in ihm liegende Siechthum 
vorschritt und die Krankheit, stoBweise kommend, ihm die Kräfte nahm, 
so musste er auch wohl Eines um das Andere seiner Hand entsinken 
lassen. Der Geist blieb immer sorgend, aber das Vermögen zur Aus- 
führung aller der Pläne, die in dieser Ruhelosigkeit emporstiegen, war 
schon längst dahin. 
Und in den meisten Fällen ist es wohl kaum schade darum, dass 
sie nicht zur Ausführung gelangt sind. Eitelberger hatte nicht blos mit 
seiner Persönlichkeit, sondern mit dem Museum selbst über das Ziel 
hinausgegrißen, welches diesem, seiner eigentlichen Bestimmung nach, 
gegeben war, und es ist heute vielleicht Zeit, zu demselben zurück- 
zukehren. Die Aufgabe ist zwar mannigfach eine andere geworden, aber 
sie ist darum nicht minder bedeutend und nothwendig. Jene fortgesetzte 
Anregung der ersten Jahre, für welche Eitelbergefs Natur und Charakter 
wie geschaffen waren, das Erwecken des Interesses, die Hast und Athem- 
losigkeit im ewig Neuen, das Aufwirbeln der Ideen, das Entzünden der 
Geister, das Alles ist kaum noch erforderlich. Das lnteresse ist ja längst 
lebendig; die Industrie arbeitet mit neuen Formen, mit geläutertem Ge- 
schmack; Museen, Kunstinstitute, Schulen für das ganze Kunstgewexbe 
wie seine einzelnen Zweige sind gegründet, selbst wohl mehmMalsii-es
	        

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