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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 3)

wünschenswerth ist. Eine Schaar junger künstlerischer Kräfte steht zur 
Verfügung, für die bereits die Sorge vorhanden, wie sie Beschäftigung 
finde. lm Wechsel des Geschmacks sind wir so rasch vorgeschritten, dass 
wir uns schon mitten in dem Barockstyl befanden, als wir uns kaum in 
der Renaissance fest und sicher glaubten. Und so vom Barockstyl sind wir 
heute bereits zum Rococo gekommen. In zwanzig Jahren haben wir den 
Weg zurückgelegt, zu dem die Kunstgeschichte zwei bis drei Jahrhun- 
derte gebraucht hat. Was langsam aus dem Charakter der Nationen und 
der Culturepochen sich entwickelt hatte und zum Zeitenstyl geworden 
war, das ist heute zur Mode geworden und fliegt in rascher Vergäng- 
lichkeit, in schnellem Wechsel an uns vorüber, ehe wir es fast ergreifen 
können. 
Unter solchen Umständen sind einer Lehranstalt, wie unser Oester- 
reichisches Museum ist, Weg und Aufgabe auf das Bestimmteste vor- 
gezeichnet. Es ist kein Unglück, dieser Wechsel der Stylarten: wir 
lernen an jedem Style, auch an dem des Rococo, was er Gutes besitzt, 
und vielleicht gewinnen unsere Kunsthandwerker dabei iene Gewandtheit 
und Findigkeit, welche noch immer einen Vorzug der französischen Kunst- 
industrie bilden; aber eine Lehranstalt darf sich dadurch nicht beirren 
lassen; sie darf die Mode und ihren Wechsel nicht auf ihre Fahne 
schreiben. So viel sich wandelt in den Dingen der Kunst, so liegen doch 
allem Schönen und Guten ewig unwandelbare Gesetze zu Grunde, an denen 
wir festhalten müssen in unserer Lehre, ob wir sie nun dem Alterthum 
oder dem Orient, dem Mittelalter oder der neuen Zeit entnehmen, oder 
ob wir sie uns aus Theorie und Praxis, das will sagen aus der Bestim- 
mung eines Gegenstandes und aus dem Material, aus dem er geschaffen 
wird, herleiten. Das ist der Gesichtspunkt, aus dem wir eine Sammlung 
anlegen und aus dern wir sie nützlich machen müssen. 
Und fragen wir nach der Aufgabe der mit einem solchen Museum 
verbundenen Schule, nach der Aufgabe unserer Kunstgewerbeschule, so 
ist auch da die Antwort schlicht und einfach. Sie hat vor Allem das 
Können zu lehren. Wir erinnern uns aus dem, was ich früher gesagt 
habe, dass, als die Reform des Geschmacks und der Kunstindustrie 
begann, keine Künstler dafür vorhanden waren. Nun sind ihrer allerdings, 
und nicht wenige, geschaffen worden, aber die verzehrende Zeit wird 
ihrer immer neue gebrauchen, und so wird es fort und fort die Aufgabe 
der Schule sein, sie neu zu bilden und zu schaffen. Nur vor dem Ueber- 
maB, vor dem Zuviel mag sie sich weise hüten. Und die Schule soll 
sie bilden so, dass sie jeder Aufgabe gewachsen sind, welche das Kunst- 
gewerbe an sie stellt. Ob die Schüler nun zeichnen oder malen oder 
modelliren oder bereits wirkliche Gegenstände verschiedener Kunstzweige 
ausführen, stets soll die Arbeit die bestmögliche. die erreichbar voll- 
kommenste sein. Innerhalb der durch die Bestimmung gesetzten Grenzen 
soll immer das Höchste erstrebt' werden.
	        

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