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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 5)

um! 
Regel die außerordentlichsten Verballhornungen, Verwechslungen und Irr- 
thümer in den Schreibungen vorzukoinmen pflegen. Einem beliebten 
Worte der modernen Journalistik analog, könnte man wie von einem 
nKobold des Setzkastensm, auch von einem solchen des Webestuhles 
sprechen; es sind diese sehr häufigen Irrungen sozusagen die Druck- 
fehler der Textilkunst und wohl aus der Unkenntniss der Weber im 
Lesen zu erklären, welche die ihnen auf dem Carton des Malers vor- 
gezeichneten Texte nicht verstanden und wie bloße, nichtsbedeutende 
Ornamente nachbildeten. Dabei ist aber gar nicht ausgeschlossen, dass 
auch schon a priori von den Malern selbst, deren stärkste Seite zu jener 
Zeit Lesen und Schreiben auch nicht war, derlei Verstümmelungen ver- 
anlasst worden sein mögen. So halten wir denn dafür, dass auch in 
vorliegendem Falle, und zwar im dritten Worte, eine derartige Ver- 
wechslung und Verstellung einzelner Buchstaben stattgefunden habe, und 
sind der Meinung, dass statt Arsettl - Asselt zu lesen sein werde. De Asselt 
ist eine Provenienzbezeichnung des Pieter genannten Meisters. Orte des 
Namens Asselt oder Hasselt gibt es aber viele in den Niederlanden, 
worunter die Stadt Hasselt im ehemaligen Gebiete des Bischofes von 
Lüttich einer der hervorragendsten war '). Auch ein Maler des XIV. Jahr- 
hunderts, z. Hälfte, Johannes van der Asselt ist bekannt, welcher sich 
selbst Johannes de Asselt zeichnet; er kommt in Urkunden vor, wo auch 
die Schreibungen del Asselt, d'Asselt, del Hasselt, de le Hasselt und Ver- 
hasselt begegnen. Soviel erhellt also mit Sicherheit, dass ein Meister des 
Namens Pieter van_Asselt, der in Brüssel lebte, der Verfertiger der 
schönen Trientiner Gobelins gewesen ist. Es drängt sich bei diesem An- 
lasse auch die Frage auf, ob die zahlreichen flandrischen Künstlernamen 
wie van Asse, van Assen, van Asch etc. nicht ebenfalls hiehergehören? 
Dass schon zu Zeiten Kaiser Maxmilian I. in dem Trientiner Castell 
Tapeten aufbewahrt wurden, davon geben die Urkunden mehrfach Zeugniss. 
Am 14. August 1503 schreibt der Kaiser aus lmst an den Hauskämmerer 
in Innsbruck, der dortige Hoftapissier solle alle die tappisserie, so zu 
Triendt gewesen ist, nebst Anderer nach Augsburg schaffen. (Jahrb. d. 
kunsthist. Samml. d. Allerh. Kaiserhauses, lll. Urk. 2534). Den 17. Juli 1518 
befiehlt Maxmilian aus Augsburg die Auszahlung von 125 H. rh. an den 
Tapissier, wwelcher unser tapisserie, so wir daselbst zu Triendt ligen 
gehebt, damit gen Ynsprugg herausgefuert hat" (lbid. I. Urk. 4.70). Damit 
sind wohl kaum jene sieben Gobelins gemeint, aber es wird dadurch sehr 
wahrscheinlich, dass auch sie dereinst kaiserliches Besitzthum gewesen 
sein dürften. 
') In der Provinz Ober-Yssel liegt die einst befestigt: Stadt Asselt nahe dem 
Dedemscannl; dns größere. einst zu Lüttich gehörige Hasselt oder Asselt ist nun Hnuptort 
der Provinz Limburg, am Demerßusse gelegen.
	        

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