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Volltext: Alte und Moderne Kunst I (1956 / Heft 1)

ANTIKE 
ZEITMESSER 
IM 
WIENER 
UHRENMUSEUM 
In einer der ältesten 
Gassen Wiens, schmal 
wie die Pforte der alten 
Kirche, neben der sie 
sich befindet, birgt ein 
Haus mit dem Blick auf 
den Schulhof eine Rari- 
tät ersten Ranges: das 
Wiener Uhrenmuseum. 
Dieses Museum, das lei- 
der selbst von Fachleu- 
ten und Sammlern viel- 
fach unbeachtet bleibt, 
birgt einen unschätz- 
baren Wert in seinen 
Stückenechtösterrcichi- 
schcffradition. Und daß 
dieses in Europa, ja viel- 
leicht auf der ganzen 
Welt einzig dastehende 
Museum zustande ge- 
kommen ist, ist nur der 
Tatkraft und der Liebe 
zu den kleinen lebendi- 
gen Kunstwerken zu ver- 
danken, die der heute 
SOjährige und noch im- 
mer in Dienst stehende 
Direktor dieses Muse- 
ums, llerr Rudolf Kaf- 
tan, aufgebracht hat, 
indem er einen Großteil 
Seines Lebens der Samm- 
lung einmaliger Uhrwerke und -gehäuse gewidmet hat. Nicht 
nur, daß Herr Direktor Kaftan oft in alle Welt verstreute Stücke 
gesammelt hat, es gelang ihm auch, einen Großteil der antiken 
Uhren wieder in Gang zu setzen. i 
Es wird auf diesen Seiten wohl noch oft Gelegenheit bestehen. 
über das Uhrenmuseum, über dessen Sammlung oder über ein- 
zelne Stücke daraus zu berichten - nichts ist aber nahelicgender. 
als im Mozart-Jahr über kunstvoll gearbeitete Uhren aus der 
Zeit des großen Meisters zu berichten. 
Unter den mehr als 3000 Uhren, die das Museum birgt, findet 
man Uhren, so klein, daß sie unter einem Fingerhut Platz haben, 
und Uhren, die einst von Kirchtürmen die Stunden in die ver- 
schwiegenen Gassen der Altstadt schlugen. So finden wir die 
bereits 1699 vom Wiener Uhrrnaehermeister Jakob Oberkircl-iner 
verfertigte Uhr des Wiener Stefansdomes ebenso im Museum 
untergebracht wie die bekannte astronomische Uhr des Augu- 
stinerpaters David a. S. Cajetano aus dem Jahre 1769. 
Besonders entzückend erscheint eine Harfenuhr, deren Werk 
größtenteils aus Holz hergestellt ist und ein kleines Spielwerk 
besitzt, dessen kleine Hämmer auf gespannte Saiten einer Harfe 
schlagen und unter anderem die Melodie eines Menuettes von 
Mozart erklingen lassen. Der vordere Teil dieser Uhr ist aus Holz 
geschnitzt, teils vergoldet, teils farbig bemalt (Abbildung 1). Ein 
unbekannter Meister hat dieses Werk im jahre 1790 geschaffen. 
Auf einem mächtigen, schweren Marmorsoekel erhebt sieh eine 
Vasenuhr, ein Rokokostück in vergoldeter Bronze, beiderseits 
 
Abblldung1 
HARFENUHR MIT HOLZWERK 
von je einem bockfüßigen Faun, die Fruchtbarkcitsgötter des 
Ackerbaues und der Viehzucht darstcllcnd, getragen. Schlangen- 
leiber, als Sinnbild der Ewigkeit, schlingen sich um die Vase, 
in deren oberem Rand zwei Ziffernringe eingebaut sind. Diese 
beiden Ringe, deren tviner die Minuten- und deren anderer die 
Stundenziffern trägt, bewegen sich an einem feststehenden Zei- 
ger vorbei und geben auf diese Art und Weise die Zeit an (Abhil- 
dung 2). Dieses prachtvolle Kunstwerk ist immerhin nicht klein: 
die Vasenuhr besitzt eine Höhe von 120 und eine Breite von 
80 Zentimetern und stellt eine der sehcnswertesten Kostbar- 
keiten dar. 
Ganz außerordentliches ttnd nieisterhaftes Können zeigt uns eine 
Uhr, die von dem Wiener Uhrmacher Tlhauer (Fertbaur) her- 
gestellt wurde (Abbildung 3). Es ist dies eine Llhr eigener Art, ein 
Kunstwerk, auf welches das Uhrenmuseum besonders stolz sein 
kann. Sie besitzt ein Schlagwerk für Vicrtelstunden- und Stun- 
denseltlttg, wobei die kleine Gchwerksfeder durch die stäirkcre 
Schlagwerksfeder aufgezogen wird. Das weiße Emailzifferblatt 
zeigt außer einer Minuten- und Stundcneinteilung noch die 
Wochen- und Ivlonzttstttge an. Die Ungleichheiten der Monats- 
länge (28 bis 31 Tage) werden im Werk durch eine besondem 
 
 
Abbildung 2 
VASENUHR (Reknlto) 
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