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Volltext: Alte und Moderne Kunst I (1956 / Heft 1)

Die historischen und politischen Ereignisse zu Beginn des 
19. Jahrhunderts, die Kriegsjahre und das strenge obrigkeitliche 
Regime förderten das Bedürfnis nach einer wohnlichen und be- 
quemen Umgebung, nach einem gesicherten Behagen im eigenen, 
engsten Bereiche. So entstand jene Wohnkultur der Biedermeier- 
zeit, deren Einrichtungsgegenstände in ihrer auf den Menschen 
bezogenen Zweckmäßigkeit auch noch dem gegenwärtigen For- 
menempfinden den Eindruck von Wohnlichkeit und Bequem- 
lichkeit vermitteln. 
Viele dieser Wiener Mübelformcn stammen aus der im zweiten 
jahrzehnt des 19. jzthrhunderts auf der Wicden gegründeten 
Möbelfabrik Josef Danhztusers des Älteren. Auf Hundcrten von 
Blättern, die das Österreichische Museum für angewandte Kunst 
aufbewahrt, sind die Entwürfe und Mustcrzeichnungen für Ti- 
sche, Sessel, Betten, Trumeaus, Kanapees, Fauteuils, Etageren 
 
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usw. festgehalten. Daneben finden sich aber auch ganze In- 
terieurs, wovon cinigc Entwürfe unverkennbar die Hand des 
begabten Sohnes des Wiener Gcnremalers josef Danhauser ver- 
raten. Sie sind als „Wiener Möbel-Formen" in Schickhs Wiener 
Zeitschrift erschienen. Sie zeigen das Bestreben, ganze Innen- 
räume nach einheitlichen Gesichtspunkten zu gestalten, und ver- 
mitteln ein anschauliches Bild vom Übergang der Möbeltypen 
aus der Biedermeierzeit in das nachfolgende zweite Rokoko. 
Viele Entwürfe bewahren mit geringen Veränderungen den For- 
mcnschatz der klassizistischen Epoche. Die besten Arbeiten aber 
zeigen die völlige Anpassung an die praktischen und ästhetischen 
Bedürfnisse der Biedermeier-zeit. In selbstverständlicher Zweck- 
mäßigkeit sind die Proportionen der Kommoden, der Schränke, 
der Tische und Sitzmöbel den menschlichen Maßen angeglichen. 
Kein dekoratives Beiwcrk stört die auf die Funktion beschränkte 
Einfachheit der äußeren Erscheinungsform. Nur in der Innen- 
ausstattung der Sekretäre, da waltet oftmals der Reichtum und 
die Fülle der Phantasie des Tischlermeisters. In genial ange- 
ordneten Liidchen und Geheimfüchern, in sinnreiehen Ver- 
schlüssen, in den eingebauten Spiegeln und Intarsiahildern lebt 
die Liebe zum Detail und Dekor. Die ganze Intimität persön- 
licher Wünsche und Freuden, die innige Verbindung des bürger- 
lichen Menschen zu den ihn umgebenden Objekten ward darin 
offenbar. 
S0 bewahren die in mehr als 90 Mappen aufgehobenen Entwürfe 
von Möbeln und Einrichtungsgegenständen der Biedermeierzeit 
die Erinnerung an die letzttgeinheitliche und breite Volksschich- 
ten umfassende Wohnkultur Wiens. Sie sind klassische Beispiele 
für das vorzügliche Können und die künstlerische Gestaltungs- 
kraft des Wiener Tischlergcwerbes, dessen hervorragendster 
Vertreter der Danhausefschc Werkstättenbetrieb war. Mit dem 
Ausklang der Biedermeicrzeit war auch das Schicksal dieser 
Fabrik entschieden. Das ins Große gediehene Unternehmen 
konnte nach dem plötzlichen Tode des Begründers im Jahre 
1830 von seinen Söhnen nicht gehalten werden. Es wurde nach 
einem aufreibenden Kampf um seinen Bestand im Jahre 1838 
liquidiert. 
 
lmurllur. nleh 1830. Entwurf VDI! Josef Dlnhiuser d. J. Üsierrelchlsehas 
Museum m. angewandte km1 
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