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Volltext: Alte und Moderne Kunst I (1956 / Heft 3)

Zu Abbildung S: 
Dieses Möbel ist ein Beispiel für die Bevorzugung kleiner Aus- 
maße, womit eine graziöse und intime Wirkung erzielt werden 
sollte. Auch liebte man an Stelle eines großen Möbels zwei 
kleinere als Pendants im Raum einzuordnen. Die Beschläge sind 
sehr exakt ausgeführt. Sie zeigen typisch frühklassizistische Mo- 
tive (Masche, Zopf, Kranz und antikisierendc Medaillons). Die 
leicht geschwungenen Beine erinnern noch an das vergangene 
Rokoko. 
Zu Abbildung 6: 
Zwar findet sich auf diesem Rokokosessel keine einzige Rucaille, 
aber seine Form, der gleitende Umriß aller seiner Teile spricht 
eindeutig die Sprache des Rokoko. Das Material ist ungewöhn- 
lich für Österreich, wo die Sitzmöbel meist aus Buchcn-, Nuß- 
oder Lindenholz sind. Doch besteht wegen der österreichischen 
Herkunft kein Zweifel. 
Der Liebhaber und Sammler alter Möbel hat es in Wien nicht 
leicht, wenn cir auf seine Rechnung kommen will oder wenn es 
ihm darum zu tun ist, sich über die Entwicklung der österreichi- 
schen Möbel ein Bild zu machen. Zumal wenn er von anderen 
Kunstzentren und Hauptstädten her gewohnt ist, daß der histori- 
schen Möhelkunst und Wohnkultur größtes Interesse entgegen- 
gebracht wird. 
Es mag aulschlußreich sein, hier nicht nur bei allgemeinen An- 
deutungen stehen zu bleiben, sondern einige der schönsten der- 
artigen Sammlungen zu nennen: So wurde in Lissabon durch 
den Kunstsammler und Mäzen, Dr. Ricardo do Espirito Santo 
Silva im Palacio Azurara mit seinen eigenen großen Sammlungs- 
bestünden ein Kunstgcwerbcmuscum eingerichtet. Dabei vermied 
er die museale Aufstellung und gestaltete die einzelnen Gemächer 
des Palastes wie völlig eingerichtete Wohnräume, nach dem 
Grundsatz einer harmonischen und geschmackvoll auleinundtri- 
abgestimmten Ensemblegestaltung. Der Eindruck ist von größ- 
tem Reiz und lebendigster Wirkung. Mobiliar und Gegenstände 
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Abb. 4. Kleine Kommode. Höhe: 81 crn: 
Breite: 63cm; Tiefe: 37 cm; Palisnnder- 
und Rosenholz. Platke Nußholz; vergol- 
dete Bronzebeschläge. Um 1770.
	        

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