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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 1)

Abb. 2. Elfenbeinstamette joseph I. von Matthias Stdnle. 
Kunsihlsiorisches Museum. 
Feldherrn. Ihm kommt der Sieg allein schon auf Grund seiner 
Sendung zu. Im Zeremoniell der Feierlichkeiten, die dem Siege 
folgten, hatte der Kaiser den besiegten Königen den Fuß in den 
Nacken zu setzen. Beim Marc Aurel-Denkmal dürfte, wenn wir 
einer Beschreibung des 12. Jahrhunderts glauben können, unter 
der angehobenen Vorderhand des Pferdes ebenfalls ein besiegter 
König gelegen sein. Bis hinein in die Kunst des Barocks ist 
dieses Motiv impe-rialer Repräsentation - denn von dort her 
fand es Eingang auch bei rangniedrigeren Fürsten - wie so vie- 
les andere aus dem alten kaiserlichen Kult lebendig geblieben. 
Leonardo aber laßte die beiden Teile, Sieger und Besiegten, zu 
einer dramatischen Gruppe Zusammen. In Steinles Reitersta- 
tuette Kaiser Leopolds I. hat es eine der letzten Darstellungen 
gefunden. Einmal mehr zeigt das Beispiel, daß in der Zeit 
des Baroeks die Kaiseridee ihre letzte große Manifestation ge- 
funden hat. 
Bei dem kleinen Denkmal Kaiser Karls VI. tritt an die Stelle 
des herrschcrlichen Triumphes über seinen besiegten Feind die 
Huldigung durch sein Reich. Wir kennen auch dafür Vorbilder. 
Sie sind uns aus der mittelalterlichen Kunst bekannt. S0 wer- 
den die ottonischen Kaiser auf Reichenauer Miniaturen thronend 
dargestellt, während ihnen ihre Reiche huldigend mit Gaben in 
den Händen nahen. Fortan wirkt das Motiv weiter. S0 wird bei 
diesem Standbild eine andere, mittelalterliche Wurzel wirksam 
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