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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 1)

- allerdings in stark verweltlichtem Sinne, wie ja auch die 
ganze Kaiseridee des Barocks stark verweltlicht ist. 
Die äußerlich ganz ähnlichen Reiterstandbilder haben einmal 
antike, einmal mittelalterliche Voraussetzungen und weichen 
dementsprechend in der Durchführung des Motives vonein- 
ander ab. 
Diese Ellenbeinschnitzcreien ordnen sich in die Reihe der Denk- 
maler ein. Mit virtuosen handwerklichen Spielereien haben sie 
wahrlich kaum etwas zu tun. S0 sehr wir die geniale Beherr- 
schung des Materials und die Feinheit des Schnittes bewundern 
- sie sind nur die notwendigen handwerklichen Voraussetzun- 
gen, um darüber ein wirkliches Kunstwerk erstehen zu lassen. 
Die vollendete Komposition und die Ausdruckskraft der Ge- 
staltung sind es, von denen die große Wirkung dieser Werke aus- 
strahlt. In genialer Weise hat Steinle das Material für seine 
künstlerischen Ideen verwertet und die zarten Lichteflekte der 
schimmernden Elfenbeinlläche in echt barocker Weise für eine 
lebendige, in den Effekten stets wechselnde Wirkung ausge- 
nützt. So stellen die drei Skulpturen auch Gipfelpunkte der 
Elfenbeinschnitzerei dar. Leider können wir den Weg Steinles 
zu solch virtuosem Können nicht verfolgen. Die drei Sta- 
tuetten und ein Fragment einer Kreuzigung in der Geist- 
lichen Schatzkammer sind die allein bekannten Elfenbeinwerke 
des Künstlers. 
Das Denkmal ist nicht an ein Format gebunden, es ist aber 
nicht unbedingt mit dem Bild des Repräsentierten identisch. 
die klassische Kunst der Antike hat diese Verbindung gesch 
und es mit dem lebendigen Bild der Persönlichkeit verkn 
Das Mittelalter hat sich von dieser uns heute scheinbar not 
digen Verbindung periodenweise wieder gelöst. Alle Epc 
aber, die auf die antike Kunst zurückgriffen, haben aucl 
Porträtkunst der Römer wieder aufgenommen. jede Renais: 
war auch eine Zeit gesteigerten Ich-Bewußtseins und dami 
höhten Persönlichkeitskultes. So bringen auch solche Zeiten 
lebendige Bild eines Herrschers wieder gegenüber dem rr 
mentalen Idcalbild, das allen eher zufälligen persönlichen 
gen entrückt ist. In diesem Sinne hat die italienische Re 
sanee des 15. Jahrhunderts uns das Denkmal im antiken E 
wieder geschenkt. 
Steinles Reiterfiguren lußen auf diesen Errungenschaften. 
Bildnisse der drei Herrscher gehören zu den schönsten, di( 
von ihnen kennen. Die Züge des Antlitzes sind treffend wii 
gegeben und die Erlassung des psychologischen Ausdruckes 
die reife künstlerische Gestaltung. Von allen Denkmälern 
uns von diesen drei Herrschern über-kommen sind - un 
sind ihrer nicht wenige - reicht keines in der Genialität 
Formung imperialer und persönlicher Erscheinung an die 
liehen Elfenbeinwerke Steinles heran. 
Abb. 3. Detail der Rciterstatuetfc Karl VI. von Matthias Steinle. 
Kunsihlsforlsches Muse;
	        

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