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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 1)

DIE ERNEUERUNG DES KUPPELGEWÖLBES l 
SCHWARZENBERGPALAIS VM- MICHEL ENGELHA 
Abb. l. Die durrh P ' Engelhurt restaurierte 
Kuppel mit einem stil "ten Ornament statt des 
zerstörten Freskos. 
Der Schmuck des Kuppelgewölbes aber stammte von der l 
eines Künstlers, eines der bedeutendsten Freskenmaler 
österreichischen Barocks: von Daniel Gran, und der Ve. 
dieses Deckenfreskos war unersetzlich - denn die Handsc 
eines Künstlers kann nicht wiederholt, sein Werk nicht ko] 
werden, ohne daß seine wesentlichen Merkmale - das Per 
liehe, das Einmalige des Kunstwerks -- verlorengehen. - 
wohl ausreichende Unterlagen für eine getreue Kopie des 
störten Deckengcmäldes vorhanden gewesen wären - F 
lichtbilder und insbesondere der erhaltene Entwurf des Dec 
bildes im Maßstab 1:20 von der Hand des Künstlers - m 
auf die Wiederholung der ursprünglichen Malerei verzit 
werden. Nach dem Krieg sind zwar wiederholt getreue K0 
zerstörter Deckenfresken gemacht worden - gerechtfertigt 
ren solche Arbeiten nur dann, wenn es sich um Teile eines 
störten größeren Werkes handelte, deren Wiederherstellung 
einheitlichen Raumeindruck diente. Als Beispiele seien angeft" 
die Große Galerie im Schlossc Schönbrunn mit den Erganzui 
der Fresken Gregorio Guglielmis oder die Erneuerung der 
weise zerstörten Deckengemälde von Cosmas Daniel Asat 
der Stadtpfarrkirche St. jakob in Innsbruck. 
Im Kuppelsaal des Palais Schwarzenberg wären jedoch 
gesamte Deckenmalerei und nicht nur Teile von ihr 
Kopie wiederherzustellen gewesen, denn nur die Pendcntifs 
ren erhalten geblieben. Der Versuch, das ausgezeichnete V 
eines vortrefflichen Meisters der barocken Deekenmalerei Ö 
reichs, in der sich das Wesen des Malers in hoher Vollent 
spiegelte, zur Gänze wiederherzustellen, wäre abwegig 
wesen. - Vom Ersatz der verlorengegangenen Malereien - 
sinkende Nacht, den erwachenden Tag darstellend - d 
Kopien, wurde daher Abstand genommen. Es waren also an 
Lösungsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. 
Es mag für den Leser dieser Blätter verwunderlich sein, daß einer 
Frage, die im ersten Augenblick keineswegs bedeutend erschei- 
nen kann, ein ganzer Aufsatz gewidmet wird: der dekorativen 
Gewölbcgestaltung im Kuppclsaal des Sommerpalais Schwarzen- 
berg auf dem Rennweg in Wien. 
Und doch rechtfertigte die Bedeutung dieses Palastes und seine 
Baugeschichte, mit der die erlauehtesten Namen der österrei- 
chischen Barockkunst: verbunden sind, sorgfältiges Studium und 
einfühlendes Erkennen des Problems. 
vLuk-as von Hildebrandt hatte für seinen Auftraggeber, den Für- 
sten Mansfeld-Fondi, den Palast errichtet, johann Bernhard 
Fischer von Erlach für den neuen Besitzer, den Fürsten Schwar- 
zenberg, seit 1716 die Bauleitung geführt und entscheidende Um- 
bauten vorgenommen. lnsbesondere der Kuppelsaal muß als 
sein Werk angesehen werden. Seiner Bedeutung im Organismus 
des Gebäudes als Mittelpunkt der Gesamtanlage und iht 
künstlerisches Zentrum, entspricht die Gliederung des Raumes. 
Die Vertikalachsc ist dominierend, die Kuppel mit ihrer maleri- 
schen Dekoration entscheidendes Merkmal für den Raumein- 
druck. Sie war durch einschlagende Fliegerbomben zerstört 
worden. ' ,  
Es stand außer allem Zweifel, daß die Kuppelschale in ihrer 
früheren Form wiederhergestellt werden mußte. Die schweren 
Beschädigungen der anderen Raumelemente, des Fußbodens, der 
Kunstmarmor- und Stuckverkleidungen der Wände, der Tür- 
und Fensterumrahmungen konnten mit den Mitteln handwerkli- 
chen Könnens erneuert und ergänzt werden. 
Abb. 2. Die Apsisgliederung mit den Male 
van Daniel Gran vvr der Zerstörung. 
 
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