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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 1)

 
Abb. 3. Asien. Detail aus dem Deckenfresko. 
 
Abb. 4. Amerika. Detail aus dem Deckenfresko. 
Abb. 5. Afrika. Detail aus dem Deckenfresko. 
reiehs wie der Freskenzyklus im Sitzungssaal des Niederöster- 
reichischen Landhauses. Hatte man bisher die Themen meist der 
griechischen Mythologie, der Historie oder der religiös-philoso- 
phischen Allegorie entnommen, so fällt an den Fresken Beduzzis 
die unmittelbare, bildhafte Sprache auf. Die Gemälde verherr- 
lichen Österreichs Macht und zeigen die Huldigung Austrias vor 
der göttlichen Vorsehung. Es ist kein Zufall, daß gerade im 
Haus der Niederösterrcichischen Stände dieses einzigartige Denk- 
mal entstand, denn hier war das politische Zentrum des alten 
Erblandes, dessen Schicksal die Geschichte Österreichs bestimmt 
hatte. Das Herzogtum unter der Enns hatte den Ansturm der 
Türken erlebt, aber auch teilgehabt an den ersten siegreichen 
Schlachten. Niederösterreich erlcbtc nach diesen kriegerischen 
Ereignissen einen großen kulturellen Aufschwung und ent- 
wickelte sieh bald zu einem Mittelpunkt barocker Kunst. Der 
Festsaal der Stände sollte daher beredtes Zeugnis von der Stel- 
lung des Herzogtums in diesem großen Reich geben. 
Der Saal der Stände war auch Schauplatz großartiger Fest- 
lichkeiten. Gleich nach Vollendung der Fresken gaben die Ge- 
heimen Räte und Kämmerer ein Maskenfest, zu dem Kaiser Jo- 
sel I. und die Kaiserin mit den Erzherzoginncn erschienen Waren. 
Aber auch in den kommenden Jahrzehnten weilte der kaiserliche 
Hof olt bei den Ständen zu Gast. Eines der glänzendstcn Feste 
war die Hochzeit der Infantin Isabella von Bourbon mit Erzher- 
zog Joseph im Jahre 1760. - Die napoleonischen Kriege mach- 
ten den Saal vorübergehend zum Mehl- und Kornmagazin. Und 
als er später auch als Konzertsaal in Verwendung stand, ver- 
einte sich die Musik von lelaydn, Mozart, Beethoven und Schubert 
würdig mit dem gemalten Hymnus auf Österreichs Größe. Diese 
Verherrlichung überstrahlte sogar die Ereignisse unserer jüng- 
sten Vergangenheit: Die Gründung der Ersten und der Zweiten 
österreichischen Republik. Auch sie wurde unter den Fresken 
Antonio Beduzzis und unter dem imposanten Programm Gio- 
vanni Commazzis beschlossen.
	        

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