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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 2)

KOSTBARKEITEN 
SIND DIE KIRCHEN- 
IM WIENER 
KUNSTHANDEL 
RÄUBER ORGANISIER 
Von HANS ZE 
MÄDCHENKOPF 
Balthasar Permoster, der 
Schöpfer der Apotheose 
des Prinzen Eugen im 
Unteren Belvedere, hat 
diesen reizenden Mäd- 
ehenktopf aus weißem 
Marmor gemeißßlt. Die 
aus dem 17. jh. stame 
mende Plastik dürfte, 
wic es dazumal Sitte 
war, auf einer Säule in 
einem Garten oder in 
der Halle eines Schlos- 
ses gestanden sein. Der 
Kopf ist: 40 cm hoch 
und kommt nun aus 
der PrivatASammlung 
eines Kunst-Händlers 
wieder auf den Markt. 
Kunslbandlung August Siedler 
Wien 
 
Hvans Reinhart, 1536i bDenkmünzc des Kurfürsten Johann von Sachsen. 
S'il)", Vßfgftldtt, Origtnalgröße. Galant St, Cltflilßph, Wien 
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Beinahe ist es wie zur Zeit des Buntmetallbooms nach Ausb 
des Korea-Krieges, vielleicht sogar noch schlimmer: Damals 
schwanden bei uns über Nacht Telcphonkabel, Wasscrleitu 
hähne, Türschnallcn und Straßcnschildcr. jetzt sind auf eii 
Heiligenstatucn, Barockcngcl, Kerzenleuchter, ja nicht eit 
mehr Altarfiguren her. Ein Kirchcnraub bedeutet für 
dltgcschronik der Zeitungen keine Sensation mehr - derlt 
schon alltäglich geworden. Es steht außer Zweifel, dafl auf 
Kunstmarkt - zumindest, was die kriminelle Seite betrifi 
eine geradezu tolle Konjunktur herrscht. Nicht nur in O 
reich, in allen Ländern, die große Kunstschätze besitzen, v 
sich dies uncrfreulich aus. Diese Länder wurden von 
nüchternen Gegenwart als große ergiebige Antiquariate entd: 
Kultureller Ausverkauf - das ist das Stichwort für die D 
malschützcr. Für sie herrscht seit etwa einem halben jahr h 
stc Alarmstufc. Begonnen hatte es eigentlich schon früher. 
verschwand aus einer Sakristci ein goldener Meflkelch, dort 
einer einsamen Kapelle ein Bronzelcuehtcr. Dann aber setzt: 
vergangenen Sommer eine richtige XVelle von Kirchendiebstä 
ein. Schlag auf Schlag folgte ein Diebszug dem anderen, so 
sich die Vorstellung aufdrängen muflte, es sei eine straff org 
siertr Bande von Kunsträubern tätig. Die Sicherheitsbehöi 
haben im Vorjahr 39 Diebstähle von Kunstgegcnstiinden l 
stricrt, die meisten Fälle ereigneten sich in der zweiten jah 
hüllte. 
Diese Zusammenfassung muß aber nicht unbedingt vollstäi 
sein. Darüber, was vcrlorcnging oder in Gefahr ist, verlorcr 
gehen, hat man schon deshalb keinen genauen Überblick, 
der vorhandene Bestand nicht lückenlos erfaßt ist. Mit der 
standaufnahmc, der Inventur der Kunstschätze hat das Bun 
dcnkmalamt zwar schon begonnen, ehe Kunstdiebstähle mo( 
wurden. Die Beunruhigung über die Agilität der Diebe hat jCt 
falls bewirkt, dall die Bemühungen intensiviert werden. In jet 
Bundesland sind Teams am Werk, die alles, was die Bezeichn 
Kunstwerk verdient, photographieren. Das ganze Material v 
dann in einer mchrhändigen Kunsttopographie Österreichs 
sammengefaßt. Am weitesten ist diese Arbeit in Kärnten 
dichcn. Wann dieses Vorhaben in ganz Österreich verwirkl 
sein wird, lällt sich freilich kaum sagen. Wollte man ctwz 
Niederösterreich jeden Altarengel im Bild festhalten, würde t 
die derzeit verfügbaren Kräfte allein an die fünfzig Jahre 
schäftigen. 
 
Mit einer kompletten Kunsttopographie wäre es also leich 
sich cin Bild von dem zu machen, was vcrlorenging. Verhind 
kann man Kunstdicbstähle dadurch zweifellos nicht. Es gibt t 
immerhin manches, was noch geschehen könnte. Erst vor k 
zcrer Zeit mufltcn im Vcrordnungsblatt der Erzdiözese Salzh 
die Kirchcnverwaltungen angewiesen werden, alle Vorsorge 
Sicherung des kirchlichen Eigentums zu treffen. Auch anders 
wurde daran erinnert, daß Kirchen abgesperrt und Dicbstä 
und Einbruchsvcrsuchc sofort der Polizei oder Gcndarmcric 
gezeigt werden sollen. 
Die Polizei war zu Beginn dieses „Bildcr-Sturmes" ,natürl 
auch nicht vorbereitet. Für sie ergaben sich die Parallelen zu t 
Zeit der Buntmetallkonjunktur am deutlichsten. Am l-löhepui
	        

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