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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 3)

terschiede bestehen in der Bewertung der österreichischen Ma- 
lerei nach Eigenart und Rang im ln- und Ausland? 
Der Titel des Werkes von Gerhard Schmidt ist zunächst eine 
Bestätigung der Internationalitlit der modernen Kunst; in Öster- 
reich wie in den anderen europäischen Ländern haben die Ismen 
der neuen Malerei, vom Surrealismus bis zur Abstraktion, Gül- 
tigkeit und Anhänger gefunden. Doch gibt es einige Stilrichtun- 
gen, die spezifisch nationale Ausprägungen erfahren haben. So 
der Kubismus, der fast ausschließlich von Franzosen und in 
Frankreich lebenden Spaniern (Pablo Picasso und juan Gris) ge- 
tragen wurde. der Futurismus, der italienischen Ursprungs ist und 
der Expressionismus, dessen wesentlichste Vertreter Deutsche 
(oder Skandinavier: Munch) waren. In diesem Sinne hat Oster- 
reich nicht zur modernen Malerei beigetragen: kein in die Stil- 
geschichte unseres _]ahrhunderts eingegangener Ismus hat seinen 
Ursprung in Österreich gehabt oder hier seine entscheidende Aus- 
formung gefunden. 
Und doch kann man von einer spezifisch österreichischen Ma- 
lerei sprechen, von einem bestimmten Nationalchttrakter, der in 
den bedeutendsten Kunstwerken österreichischer Dichter, Musi- 
ker und auch bildenden Künstler sichtbaren Niederschlag ge- 
funden hat. 
Zwei Merkmale kennzeichnen entwicklungsgeschichtlich die 
Eigenart der österreichischen Malerei. Das eine ist, daß Oster- 
reiclt fast immer gleichzeitig, manchmal sogar schon um jahre 
früher (Klimt, Kubin), zu denselben Ausgangspositionen und An- 
sätzen gefunden hat, wie sie etwa in Paris zur Ausformung und 
zum Durchbruch einer neuen Stilrichtung geführt haben. Daß 
dieser Durchbruch in Österreich nicht gelingen konnte, hat 
mehrere Ursachen. Die beiden wesentlichsten sind: einmal, daß 
in unserer Malerei die inhaltliche Komponente immer die domi- 
nierende Rolle spielte, und daß es dem Österreicher zunächst 
tlm Welterkenntnis und dann erst um eine Ordnung der Formen 
ging; zum zweiten, daß nicht an einer systematischen Durch- 
setzung der gewonnenen Erkenntnisse gearbeitet wurde und daß 
alle Erkenntnisse Einzelgängern zu danken sind, die keine festen 
Schulen gründeten, obwohl sie Schüler hatten. Kennzeichen des 
Österreichers ist das G e n i e o h ne S y s tem. 
Das andere Merkmal, das entwicklungsgeschichtlieh die Eigenart 
der österreichischen Malerei bezeichnet, ist die Anverwandlung 
der im Westen Europas ausgebildeten Stilrichtungen und liorm- 
einsichten. Jeder Ismus, von einem österreichischen Künstler 
praktiziert, nimmt Züge österreichischer Malerei an. Die Form- 
erkenntnisse der westlichen Malerei werden wieder dem cigc- 
nen Streben nach Welterkenntnis dienstbar gemacht. 
Gerhard Schmidt beantwortet die liragc nach einer österreichi- 
schen Malerei: Die „österreichische Kunstproduktion kennt keine 
kontinuierliche Entwicklung auf einem gleichbleibend hohen 
Niveau". Daher denkt man kaum an eine eigene österreichische 
bildende Kunst. In Österreich ergab sich um die jahrhundert- 
wende „ein geradezu universaler Ansatz zu einer Umwertung 
und Neugestaltung fast aller kulturellen Äußerungen". (Kafka, 
Freud, Schönberg, Kokoschka, Kubin, Schiele, Loos, Musil). Es 
fehlte aber die breite Entwicklungsbasis, wie sie in Frankreich 
durch den vorausgegangenen Impressionismus da war, dann man- 
gelte es dem „österreichischen Ansatz an Rationalität und Kon- 
sequenz. Der Knnservatismus des Österreichers versuchte, mit 
jeder Neuerung zugleich ein Stück des alten Erbes zu retten . . ." 
Gerhard Schmidt kommt zu folgendem Gesamtbild: „Der revo- 
lutionäre Ansatz, dessen Hauptziel die Gewinnung einer neuen 
Formensprache war, erfolgte in Wien und Paris etwa gleich- 
zeitig... Die Resultate Wiens waren aber nur wenig entwick- 
lungsfähig und erlangten keine internationale Resonanz . . . Trotz 
vieler konservativer Züge erweist sich die österreichische Ma- 
lerei in ihren maßgebenden Äußerungen (heute) als durchaus 
aktuell, auch wenn ihre Entwicklung nur fallweise mit der west- 
europäischen in unmittelbaren Kontakt tritt. Ebenso selten wie 
das Ausstrahlen über die Grenzen des Landes ist auf der anderen 
KOSTBARKEITEN 
IM WIENER 
KUNSTHANDEL 
 
Abb. 3. Rudolf von Alt (Wien 1812-1905): Die 
Thcynkirche in Prag. Signiert R. All. Ol-Karton, 
37 X 30 cm. 
(Äus der 536. Kunslauklion des Davulheums vom 4. - ö. Juni) 
 
Giovanni Busi, genannt Cnriani, geboren zu 
ßergnmo H80, gestorben zu Venedig 1541. 
Christus mil der Xvellkugcl. In rotem Klcide 
und blaucm Ubcrwurf sieht die Halbiigur 
des Christus vor einem dunkelolivgrünen 
Vorhang. Er hält die Hände auf einer Weh- 
kugel. Rechts im Hintergrund ein Ausblick 
auf eine Landschaft. 
(Asenbaum .Zum Anhquuf. w...)
	        

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