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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 4 und 5)

Bilder, und einzelne Formen verschränken sich -- ohne Absicht 
spüren zu lassen - zu optischen „Reimen". Aber gerade vor 
dem Netz der rahmenparallelen Linien gewinnen das sanftle 
Neigen eines Kopfes oder der schräge Duktus einer Geste ihr 
Gewicht als Mittel lyrischen Ausdruckes. 
Groß ist die Bedeutung, die der Lichtführung in den Bildern dieser 
Jahre zukommt. Im „Mädchen mit Hut" von 1929 und in den 
gleichzeitigen Landschaften sind die Tonwert-Nuancen der ein- 
zelnen Farbflächen das dominierende künstlerische Mittel: aus 
ihnen resultieren kompositorische Fügung und Spannung der 
Gemälde, zugleich aber auch jener hintergründige Zauber, der 
ein halbbeschattetes Gesicht oder einen mondhellen, menschen- 
leeren Platz zu gleichwertigen Symbolen eines für Lerch spezi- 
fischen Welterlebnisses macht. Weit abseits der aggressiven Dyna- 
mik und der schonungslosen Selbstentblößung des landläufigen 
Expressionismus, wird hier dennoch eine ungewöhnliche Inten- 
sität des Ausdruckes erreicht - eines Ausdruckes freilich, der 
nicht so sehr vom subjektiven Erlebnis, als vielmehr von einer 
sehr beständigen, illusionslosen und dabei zärtlichen Einfühlung 
in die Menschen und Dinge Zeugnis gibt. 
Es ist diese zarte und zugleich sehr maskuline Verhaltenheit. 
die den Maler Franz Lerch besonders liebenswert macht. Sie 
schien uns stets das wichtigste, das letzten Endes unverwechsel- 
bare Kennzeichen seiner Schöpfungen, das nun auch durch die 
New Yorker Ausstellung von Bildern bestätigt wird. Wohl ver- 
raten diese Werke der letzten Jahre ein weites Ausgreifen nach 
neuen Möglichkeiten der Form, nie aber streben sie nach selbst- 
wertigen oder unechten Effekten. Im Gegenteil: wenn im „Mäd- 
chen vor dem Spiegel" das Thema von 1929 wieder aufgenom- 
men und paraphrasiert wird, so erfährt es zugleich eine radikale 
Vereinfachung. Die Augen, deren Blick zwanzig Jahre früher 
(durch den damals unsichtbaren Spiegel hindurch) den Betrachter 
unmittelbar traf, werden nun im Profil verborgen. Die Helligkeits- 
kontraste dienen nicht mehr der Ausdruekssteigerung, sondern 
 
Ahh. Z. IXhdchL-n vor dem Spicgr] (1943) 
Abb. 3. Rote Sonne (1948) 7 
:81 cm 

	        

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