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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 4 und 5)

ER 
MALER 
FRANZ 
LERCH 
von GERHARD SCl 
{MIDT 
dem so vielfältigen Wiener Kunsllehen der Zwischen- 
gszeit ragen nur noch wenige Namen in das Bewußtsein der 
enwart. Die Zahl der damals in voller Schaffenskraft ste- 
ien Dreißig- bis Vierzigjährigen wurde durch den Krieg und 
ihm vorausgehenden politischen Umbrüche dezimiert, und 
den in der Emigration überlebenden Angehörigen dieser 
eration fanden seit 1945 nur wenige nach Wien zurück. Eine 
;e Verlustliste der österreichischen Kunst ließe sich aufstellen, 
auch Franz Lereh gehört zu jenen, derer heute in ihrer Hei- 
kaum mehr gedacht wird, weil sie fern von ihr schallen. 
an der Akademie bei jungwirth, Sterrer und Delug studiert hatte, 
gelangte in der Mitte der Zwanzigerjahre zu jenem sehr eigenen 
Stil, der seine lrühen Landschaften und Figurenbilder kenn- 
zeichnet: zu einem Stil, der wohl die Kenntnis der Kunstpro- 
gramme seiner Zeit verrät, jedoch keinem von ihnen folgt, um 
sich nicht der Möglichkeit persönlichster Aussage zu begeben. 
Es wäre last müliig, hier den Einflüssen der Lehrer nachzua 
gehen, wenn auch Sterrers dekorative Strenge gelegentlich lülil- 
bar wird; müßig, die Anregungen durch den deutschen Expres- 
sionismus (besonders durch Carl Holer) und die fallweise Nähe 
Ähla. 1. Älliddu-rw mit Hut 11HI").(")I 71 :3S um 
 
trend aber andere Künstler, die (wie Gerhart Frankl oder 
rg Ehrlich) sein Schicksal teilten, durch einige repräsenta- 
Werke in Wiener Sammlungen vertreten sind und so wenig- 
s dem interessierten Teil des Publikums noch zugänglich 
ven, wurde uns Lerch in seinem New Yorker Exil fast völlig 
ückt. Schon in den knappen zwei Jahrzehnten seiner Wiener 
igkeit hat dieser stille Künstler nie verstanden, die Aufmerk- 
keit auf sieh zu ziehen, und auch in Amerika hat erst kürze 
eine in New York eröffnete Ausstellung ein größeres Publi- 
t mit ihm bekannt gemacht. Die vierzehn Ölgemälde, die 
. neben Zeichnungen und Aquarellen gezeigt wurden, sollten 
1 in Lerchs alter Heimat Beachtung finden, weil sie den 
en Weg bezeugen, den der Künstler in den bald zwanzig 
"en seiner Abwesenheit zurückgelegt hat. 
ihn wie für viele österreichische Maler seiner Generation ist 
marakteristisch, außerhalb der definierbaren Richtungen, 
eits der „Ismen" zu stehen. Der 1895 in Wien Geborene, der 
zu Matisse oder anderen Franzosen mit mehr als einem Wort 
zu streifen. Entscheidender wirken die individuellen Kompo- 
nenten, die - jede für sich - eine zeitgemäße Wurzel haben, 
in der Art ihrer Verbindung aber doch wieder außerhalb dessen 
stehen, was man gemeinhin „die Modcrne"nennt. 
Es sind dies die feinen Ausgewogenheiten der Form, die ge- 
dämpfte, vornehme Farbigkeit und schließlich eine schwer greif- 
bare inhaltliche Qualität, die man wohl als „Stimmung" be- 
zeichnen darf. Während Komposition und flächigcr Farbauftrag 
den Gemälden (auch wenn sie kleinen und mittleren Formates 
sind) eine ausgesprochen monumentale Note verleihen, bewahrt 
sie jener romantische Zug vor der im damaligen Wien nicht 
geringen Gefahr bloß ornamentaler Wirkung. Ohne daß sie - 
anderseits - dem gefährlichen Bereich des „l.iterarisehen" zu 
nahe kämen, haben sie doch „Poesie", ja sind vielleicht über- 
haupt am treffendsten einem Gedicht zu vergleichen. Stets be- 
stimmen die strengen Orthogonalen den inneren Rhythmus der
	        

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