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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 6)

lnnenansicht. 
Projekt der Arbeitsgruppe 4. 
 
 
den Altar zu schairen, was besonders anerkannt wird. Die Zele- 
bration ist dadurch in den Mittelpunkt des Baues gerückt. 
Auf Repräsentation und Monumcntalität ist bcwußt verzichtet. 
Diesen Vorzügen stehen besonders zufolge des starren Systems 
einige Nachteile gegenüber. Vor allem fehlt jede Abschirmung 
gegen den Slraßcnlärm. Die ungewöhnliche Konstruktion be- 
dingt außerordentliche Sorgfalt und Kosten. Sie birgt zahlreiche 
technische Probleme. Die ausschließlich aus Glas erstellten senk- 
rechten Raumabschlüsse sind nicht nur akustisch bedenklich, 
sondern auch in bezug auf die physiologische und psychologische 
Wirkung. Als Predigtraum ist das Projekt etwas schwierig, weil 
von den Ambonen aus die Versammcltcn nicht gleichmäßig an- 
gesprochen werden können. 
Die Beichtstühle sind ungünstig angeordnet. Der Platz vor ihnen 
ist zu eng. Die Sakristei ist zu knapp bemessen. Eine vernünftige 
Orgel kann wegen der viel zu geringen Höhe auf dem vorge- 
sehenen Platz nicht gebaut werden. 
Dennoch schien dem Preisgericht die vorgelegte Arbeit we- 
gen ihrer geistigen Grundhaltung und formalen Klarheit be- 
achtlich zu sein." 
Dazu ist zu sagen: der besondere Reiz dieses Projektes ist die 
bewußtc Konfrontierung der alten Barockkirche mit dem mo- 
deren Bau, dessen eigene Größe nicht in seinen äußeren Aus- 
maßen, sondern in seinen Proportionen liegt. Der Kontrast er- 
höht die Wirkung b e i d e r Bauwerke. Das Glockengeläutc der 
alten Kirche könnte auch zum Gottesdienst im neuen Bau rufen. 
Im Gegensatz zum Projekt von Rudolf Schwarz, der den Altar 
ans Ende der Kirche setzt und so den Hinweg, die Prozession 
zum Altar betont, faßt die Arbeitsgruppe 4 den Altar als Herz- 
stück der Kirche auf und stellt ihn in die Mitte. So wird die 
Einheit der um den Altar versammelten Gemeinde hervorgeho- 
MELANIE PENIZEK 
Wien I, Spiegelqcsse 8 
Tel. 52-61-60 (53-44-71) 
 
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ben. Sehr günstig erscheint auch die Verbindung von „Sonnta 
kirche" und „Wcrktagskirchä (die Bankreihen in den Rau 
teilen links und rechts des Altars werden durch Vorhänge v 
deckt, so daß der Raum Längscharakter erhält). 
Da das Projekt in seinen Raummaßen bescheiden gehalten 
(Höhe über dem Altarraum nur 15 Meter), dürfte es im ganz 
weitaus das billigste von allen sein, auch wenn die Konstrt 
tion im Verhältnis zum umbauten Raum höhere Kosten als i 
lich erfordert. Die nötige Abschirmung gegen den Straßenlä 
müßte sich wohl noch machen lassen. Der Einwand gegen 
Glaswiinde im allgemeinen scheint uns nicht unbedingt stii 
haltig, denn außerhalb der Glaswände wird das Bauwerk m 
durch eine quadratische Mauer umgeben, die den eigentlicl 
Abschluß gegen die Straße bildet. Zwischen Mauer und Kirt 
ist auch ein Prozessionsweg um die Kirche vorgesehen, der all 
dings stellenweise etwas eng erscheint (nur 2,5 Meter breit). 
Die Jury hat vorgeschlagen, die beiden Preisträger, Rud 
Schwarz und die Arbeitsgruppe 4, gemeinsam mit dem NCUlI 
der Matzleinsdorfcr Pfarrkirche zu beauftragen. Das scheint i 
wenig utopisch. Denn beide Baugcdanken sind so konsequent 
Ende gedacht, daß sie sich kaum vereinen lassen werden. Al 
c i n e r der beiden Entwürfe sollte - vielleicht in Kleinigkeit 
modifiziert und verbessert - verwirklicht werden. 
Damit Wien endlich eine Kirche unserer Zeit erhält, auf die 
vor der ganzen Welt stolz sein kann. 
 
 
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