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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 6)

Abb. 2. Dillingen 
von joh. Anwander, 
an der Donau. „Gc 
1762. jur. Fakultät 
ldcncr Sa: 
 
' der Universi 
Deckcnfresko 
Wer das Blatt Meissonniers neben ein Groleskenhlatt des voran- 
gegangenen Berain hält (siehe G. Egger, „Die phantastische Welt 
der Groteske", Heil 4, Jgg. 2), bemerkt, daß Meissonnier dort 
einsetzt, wo Bcrain und mit ihm die eigentliche Groteske endet. 
Dabei ist geblieben das Bandornament, das schon bei letzterem 
die Tendenz zcigtc, sehr real und bauformenhalt zu werden; 
verschwunden aber ist jenes Irrenle des Kombinierens von he- 
terogenen, grotesken Dingen - das Ornament wird zu einer 
Realität wie Architektur, um zugleich das Irreale architekto- 
nisch absurder Formen beizubehalten. 
Bei Meissonnier ist gleichsam nur noch ein verkleinertcr Aus- 
schnitt aus einem Blatt Berains gegeben, nur noch einige Orna- 
ment-Dctails, die zugleich aber wie Architektur monumentali- 
siert werden. Damit fällt der bezeichnende Realitätscharakter 
der Groteske weg, diese von vorneherein unwirkliehe Kombi- 
nation wirklicher Dinge, um einer „Verwirkliehung" des an sich 
Unwirklichen zu weichen. Das Phantasieprodukt des Ornaments 
wird wie eine Realität gegeben, wie gebaut, wie Architektur 
oder eine phantastische Brunnenanlage. 
Ein Blatt von j. de Ln joue, 1736 erschienen, kann geradezu als 
Roeaille-Architektur bezeichnet werden. In Pseudo-Architektu- 
ren aus Muschelwerk und C-Bogen, in phantastischen Treillagen 
hausen hier die Menschen - wirkliche Menschen und nicht mehr 
wie in der Groteske Fabelwesen. Das Phantastische, Groteske 
besteht jetzt in etwas anderem: In der unwirklichen Umgebung, 
die aber als Realität abgebildet ist. Wir stellen etwas für das Ro- 
kokn sehr Typisches fest: Irrationales wird bagatellisiert da- 
durch, daß man es an sich rational gibt, und umgekehrt.
	        

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