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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 7 und 8)

r ein beliebtes Motiv jener Zeit. Matielli wählt es als betonten 
ttelpunkt der gesamten Gartenanlage. Auf einem Hügel 
onend, ist sie von ihren Nymphen und Tieren umgeben. Ein 
1er Wasserstrahl springt aus dem Rachen eines Hundes ins 
ssin. Flankiert ist die Hauptgruppe links von einer Jagdmeute, 
einen großen Hirsch verfolgt, rechts von einem von Hunden 
bellten Löwen. Zwei Flachreliefs mit Darstellungen aus der 
tonasage umschließen die Hauptgruppe. 
r Sehwarzenberggartcn verzichtete - zum Unterschied von 
1 meisten anderen größeren Barockanlatgen - auf einen wirk- 
ten Kulminationspunkt: auf die weite Auss ht in die freie 
ndschaft, dem sehnsuchtsvollen Endziel des barocken Gartens; 
bleibt in sich geschlossen und intim begrenzt. Wie großartig 
daher die Idee Matiellis, den landschaftlichen Effekt durch 
e Plastikgruppc zu ersetzen. Diana, die Göttin der Jagd, der 
ildtierc, Vögel und Biiumc, die Beschützerin der stillen Haine 
d Quellen, bringt den Gruß der fernen Wälder, der freien 
ldhahn, der Jagdmeute und der sprudelnden Wasser in die 
enge der von Menschenhand bezwungenen Natur. In ihrem 
in wird der heilige Hirsch gejagt, worauf sich die linke Gruppe 
zieht. Die Verwendung der Diztna-Gotthcit zeigt die durch das 
rgil- und Ovidstudium vermittelte, innige Vertrautheit jener 
it mit den antiken Vorstellungen. Diana, die Göttin des „Was- 
spiegels" - speculum Dianae - und des Himmelsspiegelsl 
innte sie besser verwendet werden als für eine Fontäne, in 
"en bewegtem Wasser sich die Plastikgruppe und der Himmel 
leriseh verschwommen widerspiegeln? 
r einzige traurige Rest der ganzen Kaskaden-Anlage ist ein 
3h in der Terrassenmauer befindliches Flachrelief mit einer 
rstellung aus der Latona-Sagc. Latona, die Mutter der Diana 
d des Apollo, gelangt auf der Flucht mit ihren Kindern an eine 
iellc. Bauern und Hirten vcrwch 'n ihr daraus zu trinken und 
rden von ihr zur Strafe in Frösche verwandelt. Nur dieser 
zte Hinweis auf eine großartige Komposition ist heute noch 
erhalten, der letzte Rest einer plastischen Ausgestaltung, die der 
Lebensncrv und der künstlerische Höhepunkt des Gartens 
war. 
In der „oberen Ka de" deuten drei Tuffsteingrotten länd- 
liche Felsenhöhlen an, in deren geheimnisvollem Dunkel einst 
Nymphen und Panisken hausten. Aus einem Schalenbrunnen in 
der Mitte fällt das Wasser plätschcrnd in das Bassin herab, na- 
türliche Quellen vorliiuschcnd. Die ländliche Ungezwungenheit 
wird hier noch einmal, - etwas rustikaler angedeutet, - der 
einzige Plastikschmuck ist der große, scheinbar auch von Ma- 
tielli stammende Vogel, aus dessen Schnabel das Wasser in ho- 
hcm Bogen herunterschießt. Diese streng exklusive Gartenwelt 
diente dem Besitzer und den Besuchern als erweiterter Innen- 
raum, zur Repiliscntation und zum Lustwandcln unter ihres- 
gleichen. So wird der Ziergärtner Leopold Waldberger 1753 ver- 
pflichtet „außer den zwei Haupttoren, durch welche die Herr- 
schaften und Personen von Dislinction eingelassen werden", alle 
übrigen Tore versperrt zu halten, um zu verhindern, daß „nicht 
ein jeder indistinetim ein- und auslaufen könne". 
1783 aber wird der Garten bereits in einen englischen Park um- 
gewandelt, indem die Baumwitndc nicht mehr geschnitten und die 
ehemaligen Blumenpartcrrcs in Rascnflächen umgewandelt wer- 
den. Man pflanzt Gcbüschgruppen und Staudenpflanzen und 
wandelt die streng formal bezwungene Natur in freies Wachs- 
tum um. Eine andc - Zeit, ein anderes Naturideal hat die Er- 
innerung an den einstigen Garten verdrängt, aber doch nicht 
ganz zerstört, so daß ein aufmerksames Auge auch noch 
in der heutigen Anlage die Spuren der Vergangenheit ent- 
decken kann. 
Das Palais ist in neuem Glanz erstanden, der Garten aber träumt 
noch immer in malerischer Wildnis der Stunde entgegen, wo auch 
er wiederhergestellt, den Besuchern von fern und nah Zeugnis 
ablegen könnte von seinem einstigen Ruhm, einer der schönsten 
Gärten seiner Zeit gewesen zu sein. 
 
 
 
Ansicht der großcn Knskadc mit dcr Darstellung des Triumphcs der 
jugdgbltin Diuna. 
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