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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 7 und 8)

te, kaltes Wasser in den Zylinder einspritzte. Er erreichte 
nit eine Kondensation des im Zylinder befindlichen Wasser- 
npfes. Mit der Kondensation des Dampfes entstand im Zylin- 
- ein luftverdünntcr Raum, der äußere Luftdruck der Atmos- 
ire (1 kg pro cm') drückte nun den Kolben zurück. Die Ar- 
t leistete in diesem liall nicht der Dampf, sondern der Luft- 
tck. Es ist selbstverständlich, daß auch diese Ausführung einen 
)ßen wärmctechnischen Fehler hatte, der darin bestand, daß 
:h jeder Kondensation durch Wassereinspritzung der Zylinder 
h stark abkühlte und viel Dampf benötigte, um die entstan- 
ien Wärmeverluste zu decken. 
weit war man bereits 1710. 1723 baute Fischer v. Erlach eine 
nz große Feuermaschine in Wien. Er brachte verschiedene 
rbesserungen an der Ncwcomenschen Bauart an und erzielte 
mit bedeutende Erfolge. Laut dem damaligen Bericht bestand 
ne Maschine aus einem Kupferkessel nach Art der Braupfan- 
n. Zu seiner Erwärmung wurde ein Holzfeuer verwendet, das 
täglich 11'; Klafter Holz erforderte. Der senkrecht stehende 
Dampfzylinder war laut Bericht 9 Schuh hoch und sein Durch- 
messer war 2 Schuh. Der Balanzier machte 15 Doppelhübe in 
der Minute, die auf das Pumpwerk übertragen wurden. Als Lei- 
stung der Maschine pro Tag wurde angegeben: 11.800 Eimer 
Wasser 75 Schuh hoch gehoben. 
Die Fischer v. Erlachsche Feuermaschine erregte großes Aufse- 
hen und wurde bereits in einem zeitgenössischen jahrbueh "Das 
merkwürdige Wienn" eingehend beschrieben als die „Curieuse 
lieuermaschine", die Wundermaschine. 
Wieder einmal war Österreich bei einer weltbewegenden Erfin- 
dung nicht ein Nachläufer, sondern'ein Wegbereiter für die dann 
folgenden großen Erfindungen auf dem Gebiete der Wärme- 
kraftmaschinen, die durch die Erfindung James Watt eingeleitet 
wurden, der einige Jahrzehnte später die geniale Idee hatte, den 
Kondensator von der Maschine zu trennen und der damit aus 
der seinerzeitigen Feuermaschine eine Dampfmaschine gestaltete. 
LTORIENTALISCHE TEPPICHE IN FÜRSTLICHEM BESITZ 
V0 
DORA 
INZ 
:r Orientteppich ist von allen Leistungen der islamischen Kunst 
Europa die bekannteste und am meisten geschätzte. Schon im 
. und 15. Jahrhundert nach dem Wlesten importiert, wurde er 
ld auch Gegenstand fürstlicher Sammeltätigkeit. -- Der hohen 
ertschätxung des orientalischen Teppichs als selbstiintliges 
Jnstwerk verdankt eine grolie Zahl wertvollster Teppiche ibrc 
hrhundertclange Erhaltung in europäischem Adelsbesitz. 
eppich mit Palmettbliiten und Arabeskranken. 7 Nordtveslpersieii, 
nde 16. Jh. - +4") ,( 240 Cm. 
 
Seit der Wiedereröffnung des Palais Scbwarnenberg sind wenig- 
stens drei Stücke der fürstlichen Teppichsantmlung wieder zu 
sehen, die die schönsten Orientteppicbe umfaßt, die Ost reich 
außer der Sammlung des Österreichischen Museums für ange- 
wandte Kunst besitzt. 
Das Hauptstück ist der berühmte Medaillonteppieh, dessen Grund 
eine Baumlztndschaft darstellt. Er stammt aus der Blu ezeit der 
per. schon Teppichkunst im 16. Jahrhundert, in der die 'l"eppielt- 
knüpferci ihre höchste künstlerische Entfaltung erreichte. In den 
großen Hofmanufakturcn Persiens nahmen seit dem Beginn des 
16. Jahrhunderts Maler entscheidenden EinflulS auf die Teppich- 
muster. Durch die Einführung von Tier- und Menscbendarstel- 
lungen wurden die vorher rein floralen Nluster in ungeahnter 
Weise bereichert. Die geschwungenen Rankenmuster werden bei 
vielen Stücken aufgelöst und der Grund des Teppichs mit einer 
liüllc von Bäumen und Sträuchern gefüllt, die eine landschaftliche 
Umgehung für die Tiere darstellen. Reich verzweigte Bäume mit 
hellen Blüten wechseln in dem Scbwarzenhcrgschcn Teppich mit 
schmalen, streng gezeichneten Zypressen. Zwischen den Bitumen 
bewegen sich Löwen und Panther, während verschiedene Vögel 
die Kronen bevölkern. 
 
Das künstlerisch schwierige Problem der Umsetzung des von 
einem Maler geschaffenen Vorwurfs, der an sich bildmälligen 
Charakter hat, in ein fläehiges Teppicbmuster ist hier aufs glück- 
lichste gelöst. Bäumc und Tiere in ihrer trefflichen Charakteris 
rung und Lebendigkeit der Bewegung vermitteln den Eindruck 
einer einheitlich gesehenen Landschaft. 
 
Die ldee des blühenden Landschaftsgartens wird in der Innen- 
zcicbnung des Mittelmedaillons noch einmal aufgegriffen; auf 
der hellblauen Fläche eines Teiches tummeln sich vier Enten- 
paare. Die Betonung der Mitte durch das große Nfedaillon, das 
in der Längsrichtung des Teppichs durch angehängte Schilder 
fortgesetzt wird, ist das wichtigste Dekorationsprinzip der nord- 
wcstpersischen Teppiche, das in unendlich vielen Variationen 
auftritt. Die selbständige Zeichnung des Äledailltins, das dem 
Grundmtister aufgelegt erscheint, verleiht dem Teppich eine 
mehrschichtige Komposition, die einen besonderen Reichtum der 
zeichnerischen Durchführung ermöglicht, in der Klarheit der 
Scheidung der einzelnen Bilusterschichten die Übersichtlichkeit 
und liliicbisnhaftigkeit der Gesamtwirkung aber bewahrt. 
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