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Volltext: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Mähren und Schlesien

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Bergbau und Hüttenwesen. 
Des Häuerfäustels Hellen Klang hören wir durch alle Jahrhunderte erschallen, so 
weit uns Mährens Geschichte bekannt ist; in Nord und Sud, Ost und West, war der 
Bergmann bei seinem mühevollen, gefährlichen und dabei so abwechslungsreichen Berufe 
zu finden und trug sein Redlichstes dazu bei, das Ansehen seines Standes und den Ruhm 
seines Landes zu mehren. Ist doch im äußersten Westens Mährens, in der alten Bergstadt 
Jglan die Wiege unseres Bergrechtes zu suchen, zu welcher Berufsgenossen aus aller 
Herren Ländern pilgerten, daselbst Recht zu erfragen und ihre Rechte dem Jglauer 
anzupassen. Heute freilich sind der einst so ansehnliche Bergbau um Jglau, welcher im 
XVI. Jahrhundert noch fast hundert Grubenbetriebe aufzuweisen hatte, sowie nahezu alle 
übrigen Baue, in denen Edelmetalle unter zahllosen Mühen, Gefahren und Enttäuschungen 
gesucht wurden, verschwunden und nur Pingen, Halden und Stollen sind als die letzten 
sichtbaren Zeichen ihres ehemaligen Bestandes verblieben. Alle Versuche, die alten Edel 
metallbergbaue Mährens, wie die in Tisnovitz, Fulnek, am Hostein, Goldenstein, 
Altstadt, Haugenstein, Braunseifen, Friedrichsdorf, Jamnitz, Groß-Wisternitz, Johnsdorf, 
Pohor u. s. w. wieder zu beleben, schlugen trotz der großen Entwicklung der montanistischen 
Technik fehl; man wendet sich heute lockenderen Unternehmungen zu, welche rascheren, 
leichteren und sichereren Gewinn versprechen, als der von tausend Zufällen abhängige 
Edelmetallbergbau. Ein einziger Blei-Silber-Bergbau und zwar der ältesten einer, in den 
Gemeinden Altendorf und Bernhau bei Bautsch, einem schon im XII. Jahrhundert von 
Bergleuten gegründeten Städtchen Mährens, steht heute noch im Betriebe und wird vor 
aussichtlich auch erhalten bleiben. Friedlich bauen in Altendorf in dem gleichen Gehänge 
am linken Ufer der Oder die Schieferbergleute den blauschwarzen Dachschiefer, mitten 
unter ihnen die Erzbergleute die den Grauwackenschiefer durchsetzenden Bleiglanzgäuge ab. 
Die in Altendorf und Bernhau erhauenen Erze werden in einer mit Maschinen neuester 
Construction versehenen Aufbereitungsanstalt separirt und sortirt und gelangen sodann 
in deutschen Hütten zur Einlösung. In diesem Bergbaue betrug die Production an Erzen 
im Jahre 1891 circa 700 Metercentner im Werthe von 7000 Gulden bei einem Arbeiter 
stande von 80 Mann. Ans Edelmetall sind in Mähren 72 Hektar Grubenfelder verliehen; 
davon sind jedoch nur acht Grubenmaßen im Betriebe. Ganz unabhängig vom Berg 
baubetriebe werden endlich in Mähren noch Edelmetalle in ganz bedeutenden Mengen in 
Witkovitz bei der Extraction der Kiesabbrände gewonnen. 
Ähnlich wie den Edelmetallbergbauen erging es auch vielfach den uralten Eisenstein 
bergbauen des Landes, doch sind die Ursachen des Niederganges in anderen Umständen 
zu suchen als jenen, welche dem Gold- und Silberbergbau verderblich geworden sind.
	        
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