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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 7 und 8)

Detail aus dem großen Kuppelsaal mit 
Türe in den Garten. Zu beiden Seiten hol- 
ländische Lackkabinetlc mit ostasiatischem 
Dekor. 18. jh. 
setzung der Vorderfront unterteilt worden war. Diese Trenn- 
wand, die rücksichtslos die Stuckornamcntik der Wölbung durch- 
schnitt, wirkte immer als unbefriedigendes Provisorium. Es galt 
nun zu überlegen, ob die großen Namen der barocken Baukunst- 
ler, Lukas von Hildebrandt und Johann Bernhard Fischer von 
Erlach, den heutigen Architekten zur genauen Kopie und Re- 
konstruktion des früheren Zustandes verpflichten, oder 0b er 
das Recht hat, eine den jetzigen Forderungen entsprechende völ- 
lig neue Lösung für den Raum zu suchen. Auch hier hat Pro- 
fessor Dr. Engelhart mit seinem sicheren architektonischen Emp- 
finden die Gegebenheiten des Raumes so logisch weiterentwickelt 
und atisgebaut, daß das Ergebnis nicht nur nicht störend, sondern 
völlig überzeugend und selbstverständlich wirkt. Der Raum 
wurde in Wiederholung des vorhandenen Pfcilersystems durch 
eine Pfeilerstellung in der Mitte unterteilt und mit je einer Tonne 
mit Stichkappen überwölbt. Die drei Öffnungen zwischen den 
einzelnen Pfeilern wurden durch große Glastüren geschlossen. 
Dadurch ist nun eine äußere offene Halle und ein gleichwertiger 
innerer Vorraum geschaffen. Die Pfeilerkapitelle wurden nach 
den vorhandenen abgegossen, sie sind außen in Stein, innen in 
Stuck ausgeführt, wie überhaupt der geschlossene zweite Vor- 
raum ganz in Weiß und Gold gehalten ist, um eine Überleitung 
zum Hauptraum des Palais zu schaffen. Die Stuckumrahmungen 
der Türen wurden nach vorhandenen Profilen etwas vereinfacht 
wiederhergestellt, damit der Raum nicht allzu schwer und wuch- 
tig wirkt, ebenso wurde bei den Gewölben auf eine reiche Stuck- 
dekoration, die ja freie Erfindung hätte sein müssen, verzichtet. 
Die Gratc der Stichkappen wurden mit einer leicht profilierten 
begleitenden Fasche versehen. So fügt sich nun die Vorhalle 
A 
durchaus organisch und zweckentsprechend in den alten Be- 
stand des barocken Baues ein. 
Gleichzeitig mit diesen Wiederaufbauarbeiten ging die Instand- 
setzung einiger Salons vor sich. Diese Räume zeigen wohl nicht 
mehr den originalen barocken Zustand, sondern haben dadurch, 
daß sie ständig bewohnt wurden, mancherlei Veränderungen er- 
fahren. jede Generation hat ihnen, dem Zeitgeschmack entspre- 
chend, ihren Stempel aufgedrückt, was ungemein zum Reiz und 
zur Lebendigkeit der Räume beiträgt. Die Decken tragen fast 
durchwegs noch die barocke Stuckdckoration, die Wände aber 
wurden in späterer Zeit durch Friese bereichert oder mit Kunst- 
marmorvcrkleidungen ausgestattet. Bei der Instandsetzung war 
daher vor allem zu trachten, diese aus verschiedenen Zeiten 
stammenden Einzelheiten durch den Farbton der Decken und 
Tapeten zu einer harmonischen Einheit zu verbinden. Um den 
Stuck der Decken besser zur Geltung kommen zu lassen, wurde 
der Fond in den meisten Räumen leicht getönt. Einige Decken 
sind durch kleine figurale Medaillons bereichert, die im Zuge 
der Arbeiten ebenfalls gereinigt und restauriert wurdenß 
Der größte Teil der Wiederaufbauarbeiten ist somit beendet. Das 
Palais Schwarzcnberg steht nahezu vollendet wieder da und 
spricht nicht nur für die Größe seiner Erbauer, sondern auch für 
das Traditionsbcwußtsein seiner Besitzer, die es für ihre Pflicht 
erachten, das Erbe ihrer Väter zu bewahren. 
ß um mit slrh Restaurator Alm Sehmimann bestens liewilirt, ebenso bei der 
Restaurierung elnes Det-Lengenläldes von Daniel Grun lm sogenannten Kleinen 
Salon, dns dle nllcgorlsclle Figur eine! Flora darstellt.
	        

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