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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 9 und 10)

 
"Siegfried". 3. Akt. Inszenierung Wieland 
Wagner. Die bildhaften Reminiszenzcn an 
den Walkürcnfelsen sind verschwunden. 
Hier kommt es nur mehr auf die Grund- 
Polaritätcn an: Mann-Weib, Himmel-Erde. 
rr Tradition. Wir aber blicken nach vorwärts und wollen 
eues schaffen." 
ieses „Neues Schaffen" bedeutete aber zwangsläufig eine Aus- 
nandersetzung mit den authentischen Anordnungen Richard 
agners. Angesichts der esoterischen und metaphysischen Deu- 
ng, die bis zur psychoanalytiscben Auslotung geht, wie die 
larsifaP-Inszenierung mit ihren projizierten Sexualsymbolen 
:utlich Zeigt, erwiesen sich manche bis nun übliche szenische 
id vor allem regiemäßige Anordnungen des Komponisten als 
rerholt, ja geradezu als das neue Konzept störend. In der wört- 
then Befolgung der von Wagner schriftlich niedergelegten Di- 
ktiven zeigte sich das alte Bayreuth gehorsamer als das neue, 
elches - um nur zwei markante Beispiele anzufübren - die 
andeldekorationen in „Parsifal" ebenso eliminierte, wie die 
wischenvorhänge in „Rheingold". Kein Zweifel, daß diese thea- 
alisehen Effekte beim heutigen Stand der Technik leichter zu 
alisieren wären, als sie es in den Anfangsjahren der Festspiele 
aren. Aber da es sich eben um rein theatralische Vorgänge 
indelte, glaubte man, sie streichen zu müssen. 
uf die Kernfrage, welche der szenischen Aufmachungen in 
lherem Grad den Absichten Wagners entspricht, wird es wohl 
eine eindeutige Antwort geben. Über den Wortlaut der Wag- 
'r'schen Paragraphen haben sich die Enkel sehr hiiufig hin- 
aggesetzt. Hingegen liißt sich nicht leugnen, daß ihre kultische 
'mb0le einbezichende Parsifalszenerie klarer den tiefen Sinn 
cses Bühnenweihefestspiels verdeutlicht, als es der Kulissenzau- 
r von einst vermochte, wie überhaupt die Anwendung des ab- 
rakt symbolistischen Stils im „Nibelungenring" und im „Par- 
"al" gebotener erscheint als in den Frühwerken. Dieses Neue, 
is Wieland gemeinsam mit seinem Bruder Wolfgang schuf, se- 
:lt nun unter dem Namen „abstrakte Gestaltung". Im Gegen- 
tz zu der vom spätromantisehen Geist durchdrungencn Aus- 
hrung der bisher üblichen Bühnenaufmachung wird die Szene 
itrümpelt. In manchen Fällen - 2.15. im 2. Akt „Walküre" - 
s zur völligen Kahlheit. Auf diese Weise hoffte man, den Sym- 
rlgehalt der Handlung in Reinkultur, von allem ablenkenden 
enischen Ballast befreit, zur Geltung zu bringen. In Fällen, 
0 aber auf die Darstellung des Gegenständlichen nicht ver- 
chtet werden konnte - Geisterschiff in „Der fliegende Hol- 
 
 glricd", 3. Akt. Dur KLlllNbtf17llUbCI' dus XYÄxlkiirn-nlk-lscns aus dann 
 
1m.- 187a. 
länder" oder Drache in „Sicgfricd" - vermied nun bcwuth 
nznuralistischc Lösungen und hcvorzugtc die stiliaicrcnde An- 
deutung. 
Das V0r7i1gliclhlt Minul hicfur schicncn Farb- und Lichlpro- 
juklioncn, die, mit Eigens konstruicrtcn ßlaschincn, einen „flic- 
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sik erlauben, wie dies bcifpiclswcisc in Klingsors Yuxuhcrgarlen 
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