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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 9 und 10)

 
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Geschmaeksunsicherheit. Was damals als zauberhaft empfun- 
den wurde, mag heute als Auslluß lnlscher Pathetik und rein 
äußerlicher Überladenheit belächelt werden. Die Gegenüberstelr 
lung alter und neuer Szenenhilder rührt aber an ein tiefer liegen- 
des Problem; es wirft unwillkürlich die Frage auf: Soll man ein 
Kunstwerk im Stil seiner Entstehungszeit auf die Bretter stellen 
oder soll man es in zeitgenössischer Hülle dem zeitnahen lim- 
pfinden anpassen? Die Enkel Richard Wagners haben sich für 
die letzte Alternative entschieden; der künstlerische Ernst und 
die unbeugsame Konsequenz, mit welcher diese Reiormbestre- 
bungcn vor sich gehen, hat heute schon manchen Gegner der 
abstrakten Darstellung zu überzeugen vermoeht. Darüber hinaus 
hat die abstrnkl-symbolreiche Gestaltung der Operninszene 
von Bayreuth aus bereits ihren Einlluß auf andere große Bühnen 
wie die Metropolitan Opern, Stuttgart und Hamburg ausgeübt. 
Die Bestrebungen verschiedener Opernhäuser, Wieland Wagner 
als Gastregisseur zu gewinnen, können als sicheres Zeichen ge- 
wertet werden. daß diese hochinteressante Künstlerpersönlich- 
keit Aufführungen ins Leben rult, die, wenn auch umstritten, 
dem Opernalltag neue Lichter aufzusetzen vermögen, die, in- 
dem sie die ausgetretenen Pfade thcnlralischer Routine verschtnii- 
hen, Neuland beleuchten. 
KUNST 
UND 
PUBLIKUM 
VON JORG 
.AMPT. 
Es ist üblich, die Beziehungen zwischen Kunst und Publikum 
und vor allem umgekehrt als unbefriedigend zu registrieren und 
sich damit entweder abzufinden oder aber den Partner geändert 
und geläutert zu verlangen. Selten jedenfalls wird ihm das Recht 
zu seiner Verhaltensweise zugebilligt. Man urteilt, wie übrigens 
auch sonst im öffentlichen Leben, als typische Interesscngruppc. 
ohne sich auch nur im geringsten um ein Ganzes und Gemein- 
sames zu bemühen, weil ein solches augenblicklich als Modus 
vivendi in der Tat auch gar nicht existiert. Wer daher, um wieder 
zu Kunst und Publikum zurückzukehren, die heutige Einstel- 
lung beider Seiten für begreiflich oder gar für berechtigt hält, 
weil er nur so den tieferen Gründen des Konfliktes auf die Spur 
kommen zu können glaubt, wird als Narr und Außenseiter ab- 
getan. 
Untersuchen wir jedoch, selbst auf diese Gefahr hin, Zunächst 
einmal die heutige Situation der Kunst. Da gewinnt der Aspekt 
des Intercssendenkens und der mangelnden Vorstellung von 
einem gemeinschaftlichen Ganzen mehr Gewicht, als es den 
Anschein haben mag, zumal wenn man die Kunstentwicklung 
der jüngsten Zeit in Betracht zieht. Wenn auch schon seit Be- 
ginn des vorigen Jahrhunderts, vielleicht sogar schon früher, der 
Künstler auf Grund des Mangels eines geschlossenen gesell- 
schaftlichen Wclt- und Menschenbildes immer mehr in Isolie- 
rung und Einsamkeit hineingeriet, so ging es ihm doch immer 
noch von Cezannc bis Mondrian und weiter, wie etwa bei Rou- 
ault, Chagall, Braque, Matissc und bis zu Bazaine und Manes- 
sier, also bis über den zweiten Weltkrieg hinaus, um eine mehr 
oder minder geschlossene Weltdcutung und damit eben um cin 
Bild des Ganzen. 
Schon seit 1945 und früher aber setzt daneben eine andere Be- 
wegung ein - von einer richtigen Entwicklung läßt sich nicht 
mehr sprechen -, für die das Ganze überhaupt nichts mehr be- 
deutet, sondern die nur noch Teile im Sinne von experimentell 
vielversprechenden Problemen kennt, aus denen es irgendwelche 
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