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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 9 und 10)

den Raum schichtend, verkrümmend, wird vom Tod heimge- 
tht, der sein letztes „devoir" mit einem Blumenstrauß dar- 
ngt. Die Verbeugung des Todes gegen das Leben enthebt ihn 
ht seiner Pflicht. Hier wird eine unironischc Substanz er- 
eht, der Kommentar liegt in einer lestcn Eingeschlossenheit 
rndländischer Zusammenhänge, das Persönliche erreicht den 
l, wo es in seiner Ruhe liegt. 
sichzcitig aber tritt ein neues Element in die Graphik Moldo- 
18 ein. Es ist das Phänomen der Leere. Entscheidend wird an 
' Zeichnung nicht mehr der gefüllte, mit Formelcmenten 
sehene Raum, sondern die Spannung, die zwischen Zeichen- 
zung und Zeichensetzung liegt. Das Heterogene und die Klit- 
ung des Heterogenen verteilten sich auf Randbezirke. Standen 
früher im Zentrum, um eine Schockwirkung hervorzurufen, 
verteilen sie sich jetzt über den Bereich der graphischen Aus- 
ye - das Zentrum des Blattes. Das Periphere tritt damit in 
whcinung und die Spannungen innerhalb einer gegebenen 
'm. Das Entlecrtsein wird sichtbar und Gegenstand, die sau- 
ide Macht der Leere des Blattes ein Mittelpunkt, um das sich 
der graphische Kommentar rankt. Es ist die weitere Steigung 
einer Haltung, die sich gegen die Tektonik wendet und die Dy- 
namik forciert, um pulsendcs Leben zu erzeugen. Die Form er- 
scheint wie ausgestreut aus einer spielenden Hand. 
So sammelt sich das Werk zur Aussage: Sie spannt sich in 
den fruchtbaren Bereichen zwischen Sexus und Tod. Der Be- 
fruchtung und dem Vergehen. Innerhalb dieser Pole wird alles 
in Frage gestellt, ohne daß Moldovan deshalb dem Pessimismus 
verfällt. Dennoch wuchert in ihm ein gesundes Mißtrauen den 
Dingen gegenüber oder vielmehr ihren Erscheinungsformen, 
deren Sein er niemals angreift. Das durch die Finger Gleitende 
der Existenz, die nur aul die Zeit bezogen ist, wird bei ihm augen- 
scheinlich. Schrcek und Angst, die in vielen Formungen auftre- 
ten, werden durch Übersicht gegliedert, ohne deshalb ihre zeit- 
liche Bedingtheit zu verlieren, und die Liebe zum Skurrilen bin- 
det; sich in den Bereich eines menschlichen Verstehens. S0 stellt 
sich sein graphisches Werk in die Front eines Kommentars der 
heutigen Welt, der seine Bezüge zum ewig Gültigen nicht ver- 
gißt, aus ihm vielmehr den Anlail zur Deutung der Gegenwart 
schöpft. 
PIE ZAUBERWELT DER MALERIN RENY LOHNERS 
l einer kleinen, aber gewählten Schau xion Werken aus den 
clen drei Jahren, lhlI dic Wiener Malerin Reny Lohne-r zum 
lenmal im Ostern Mischen Museum für iingcwnndle Kunst 
' ein größeres Wlienel" Publikum. Trotzdem ixl ihr Nnmc si- 
zrlieh vielen nicht unbekannt, denn sie hat in den letzten 
iren eine ganze Reihe von Kostümcntwürien für die Wiener 
zits- und Volksoper geschaffen, so für Don Pasquale, den 
iiiensehmicd, Hiinsel und (irelel oder Pnlcnblul. 
: enge Beziehung zur Musik und die Freude an der Arbeit für 
Oper zeigen die Entwürfe für drei BJiiClIC, "Die magische 
ommel", „Marie-jcanne" und „Die goldene Niiske", die nicht 
in den Kosiümen, sondern auch im Szenario von Rcny 
  
_- - ("um 
 
Reny Lohncr, „im Tui der Yel'iua.sencn". 
[m Besitz der Künstlerin, 
1956. OIJFCmpcrn. 
Reny Lohncr. "Die GUallüIndClCn". 1936. ÖI-Tempern. 
In Privnlbcsirz, Rio de Janeiro. 
19
	        

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