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fullscreen: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 220)

Museum für Kunst und Industrie, dessen Interessen und Ziele ja mit 
denen der österreichischen Kunstindustrie identisch sind. Nachdem sie 
die Grundzüge des Planes festgestellt hatten, legten sie dieselben zuerst 
und vor allem dem hohen Protector des Museums, Sr. kais. Hoheit dem 
Erzherzog Rainer vor und fanden und erhielten auch desselben volle 
Billigung und Zustimmung. Ebenso erhielt der Plan die Zustimmung des 
Directors des Museums, Hofrath v. Eitelberger. Mündliche Bespre- 
chungen mit einzelnen namhaften Industriellen ergaben als Resultat, dass 
die Idee allseitig in den Kreisen des Kunstgewerbes auf Beifall und 
Theilnahme stoßen würde, und dies zeigte sich in eclatanter Weise, als 
die genannten Herren eine größere Anzahl der ersten und leitenden 
Namen aus den verschiedensten Zweigen der Kunstindustrie zur ersten 
vorbereitenden Berathung einluden. Trotz der drängenden Zeit - es war 
wenige Tage vor Weihnacht - waren die Eingeladenen fast ausnahmslos 
dem Rufe gefolgt. 
In dieser Versammlung wurden die vorgelegten Grundzüge mit vollster 
Einstimmigkeit angenommen, und ein kleines Comite, bestehend aus den 
Herren vl Waldheim, Dr. Teirich, Wilhelm, Hanusch erwählt, 
welches mit den drei Herren aus dem Museum den Statutenentwurf aus- 
zuarbeiten hat. Nach den beschlossenen Grundzügen wird der Verein 
den Namen wWiener Kunstgewerbe-Vereinu führen, und allen Kunst- 
industriellen der Monarchie, sofern sie den Bedingungen entsprechen, 
offen stehen. Der Verein wird eine permanente Ausstellung der Arbeiten 
seiner Mitglieder halten, wofür die Räume im Oesterr. Museum in Aus- 
sicht genommen sind, so langeßieselben ausreichen werden. Er wird alle 
gemeinsamen Angelegenheiten, wie die betreffende Gesetzgebung, Aus- 
stellungen u. s. w. in die Hand nehmen und in regelmäßigen Versamm- 
lungen Gegenstände des Kunstgewerbes zum Zwecke gegenseitiger Be- 
lehrung in Vorträgen oder Unterredungen zur Discussion bringen. 
Vorlesungen im Oesterr. Museum. 
Am zg. November hielt Universitätsprofessor Dr. Wilh. Neumann einen Vortrag 
über die Bronzen des Mittelalters. Nachdem der Vortragende die Gründe ange- 
geben, warum er weit überdie nicht allzureiche Ausstellung mittelalterlicher Bronzen 
hinausgreifen müsse, um nur ein irgend entsprechendes Bild der Bronzetechnik im Mittel- 
alter zu entwerfen, schildert er kurz den Stand dieser Kunst beim Anbruche der Völker- 
wanderung, welche einen Rückgang derselben," eine barbarische Rohheit überall dort erA 
zeugt hat, wo die nordischen Volker zur Herrschaft kamen. War die Kunst ltaliens schon 
vor dieser Katastrophe tief zurückgegangen, so musste man, namentlich, in plastischen 
Darstellungen, nunmehr bei den Elementen der Zeichnung und Modellirung neu beginnen. 
Neben dieser barbarischen Richtung muss aber eine an der antiken Tradition festhaltende 
angenommen werden, die etwa in sichere, aus antiker Zeit stammende Culturcentren sich 
zurückzog, um im rechten Augenblicke hervorzutreten. Neben diesen der Plastik zu- 
gewendeten zwei Strömungen lief die byzantinische, vorzüglich der Flachendeeoration 
zugewendete Richtung einher, welche ebenfalls - in ihrer Weise - zu den Anfängen 
der Kunst, im Flachstyl. zurückgekehrt war. 
 
Fortsetrung auf der Beilage.
	        

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