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Full text: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 11)

brecht I. niedergeschlagen wurde. Über die Rolle, die damals 
Friedrich von Stuhcnberg spielte, berichtet die steirisehe Reim- 
chronik des Otokar aus der Geul. 
Daß es also in dieser Epoche schärfster Machtkämpfe zwischen 
dem Landesfürsten und dem bodenständigen Adel für den letz- 
teren von größter Wichtigkeit war, feste Plätze zu besitzen und 
diese auszubauen, ist naheliegend. Es ist bezeichnend, daß Guten- 
hcrg gerade in jenen bewegten Jahrzehnten von dem immer 
mächtiger aufstrebenden Geschlecht der Stubenberger erworben 
und zu einem Stützpunkt gemacht wurde. 
Aus der ältesten Bauphase, aus vor- oder frühstubcnbergischci" 
Zeit hat sich im heutigen Erscheinungsbild des Schlosses nichts 
trltztlten. Bergfricd und Palast wurden von den späteren Ge- 
schlechtern umhaut und ihre Mauerzüge wurden zum Kern des 
heutigen Hauptschlosses. Dieses bildet dem Verlauf des Felsens 
folgend eine unregelmäßige Baugruppe, die einen höchst reiz- 
vollen winkeligen Hof umschließt. Von der Bergseite her kann 
das Sehloß nur über eine Brücke betreten werden. Sie führt über 
einen tiefen Graben, den ein langgestreektes Gebäude, die Vor- 
burg überragt. Ein im rechten Winkel dazu angebauter und in 
Richtung auf das Hauptschloll stehender Flügel triigt das 
Datum 1490. 
Diese Jahreszahl führt uns in die von Fehden und Kriegen ge- 
kennzeichneten und von Wirren und Krisen erschütterten Jahre 
des ausgehenden Mittelalters zurück. Friedrich lll. hielt damals 
die Zügel der kaiserlichen Regierung in bis zur Tatenlosigkeit 
zaudernden Händen. Nationale, territoriale und ständische Un- 
abhängigkeilsbestrebungcn bedrängten ihn von allen Seiten. Ne- 
ben dcn nationalen Königen Georg von Padebrad in Böhmen und 
Matthias Corvinus in Ungarn traten Söldnerführer auf, die ganz 
im Sinne der italienischen Condottieri jener Zeit, nur auf ihre 
eigene Macht bedacht waren. Auch die Herren von Stubenberg 
und mit ihnen ihr Schloß Gutenberg wurden in den Strudel der 
sich überstürzenden Ereignisse hineingerisscn. 
Die beiden Vettern Andreas und Hans von Stubenberg ltatten 
Barbara und Martha Baumkircher, die Töchter des mächtigen 
steirischen Söldnerführers Andreas Baumkireher geheirttet. Als 
dieser kriegerische Nlann, der zuerst seine Kampfkraft dem Kai- 
ser zur Verfügung gestellt hatte, dann später zu seinem Gegner 
wurde, die Steiermark terrorisierte und schließlich in Gefangen- 
schaft geriet und hingerichtet wurde, wirkte sich sein Front- 
wechsel und seine Verurteilung auch für Baumkirehers Schwie- 
gersöhne Andreas und Hans von Stubenberg ungünstig aus. Die 
Erbstrcitigkeiten um den Besitzansprueh auf Gutenberg, die sich 
durch die letzten Jahrzehnte des 15. Jahrhunderts und weit bis 
ins 16. Jahrhundert hinzogen, hängen damit zusammen. 
Im Verlauf dieser langwierigen Prozesse kam es sogar dazu, daß 
Gutenberg durch etwa 50 Jahre in andere Hände gelangte. Nach- 
dem der Streit im Jahre 1562 endlich beigelegt worden war, 
wurde die Burg zwei Brüdern, Wolfgang und Hans Stubenberg, 
zugesprochen. Somit war Gutenberg wieder sicheres Eigentum 
der früheren Besitzer geworden. Sogleich begann man mit dem 
Die Halle. - Durch die Tür im Hintergrund erreicht man die Kapelle 
und links den inneren Burghof, den es zu überqueren gilt, um in den 
Wohntrakt zu gelangen. Über der Rcnaissancetruhe ein gesticktes An- 
tependium des 18. Jh. 
 
Durchblick durch einen der Laubengänge im inneren Burthnf. - Be- 
zeichnend für die schon seit Jahrhunderten in den öster ichischcn 
Ländern übliche Anbringung der Jagdtrophäen sind die holzgesehnitztrn 
Hirschhiiupter, welche die Gewcihe tragen. 
 
 
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