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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 11)

Karl Kreutzberger, Monotypie. 
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umzusehen, um den gleichen Gebilden der gleichen Einbildungs- 
kraft als Metallplastiken zu begegnen. Was in der „Photomon- 
tage" noch akzeptabel ist, geht im Dreidimensionalen oft nicht 
über den Charakter einer Formvigncttc hinaus. Ein Umstand, der 
schon oft am Surrealismus beobachtet wurde, tritt hier wieder 
in Erscheinung: der Zusammenhang nämlich mit der schweifen- 
den Formenwelt des jugendstils. Merkwürdig, daß Beckmann aber 
nicht dessen Wiener Variante fortführt, sondern cher der Archi- 
tekturplastik des Spaniers Gaudi oder den Pariser Metro-Por- 
talen verwandt scheint. (Es sei betont, dttß hier jedoch keinerlei 
Beeinflussung vorliegt.) 
Verständigt man sich auf den rätselhaften, „surrealen" Gehalt 
dieser Welt. so ist man erstaunt, beim Betrachten der Emailbil- 
der Beckmanns dem Versuch zu begegnen, das Bodenlose gleich- 
sam in die Fläche, in ein klar gegliedertes Formgerüst zu ban- 
nen. Man trifft auf Kompositionen, die fast reine liormgleichun- 
gen darstellen. je mehr dies gelingt, desto mehr wird das „Hin- 
tergründige" abgeworfen. Freilich, eine Neigung zu gewissen 
symbolischen Leitmotiven fehlt auch hier nicht, sie liißt auf eine 
eigenwillige, in beharrlieher Bohrung gewonnene Vorstellungs- 
welt schließen. 
K a rl K r e u t z b e r g e r ist ausschließlich Graphiker und da- 
rin ein Könner von hohen Graden. XVenn das Gestalten des 
Zeichners - etwas pathetisch vielleicht - als ein Ringen und 
Sichbefreien der Formen aus zuckenden, vorläufigen Linienerfah- 
rungen umschrieben werden kann, so ist Kreutzbergers Werk 
ein Beispiel für den Versuch, diesen Kampf an bestimmte Ak- 
teure zu binden. Lemuren bevölkern seine Zwischenwelt, dunkle 
Gesten verwirren sie oft bis zur Unkenntlichkeit. Der Zeichner 
verblüfft, weil er sichtbar immer alle Fäden der Regie beisam- 
men hält. Regie - das Wort mahnt zur Vorsicht, denn es kann 
nicht geleugnet werden, daß dieser Mummensehanz, genau be- 
sehen, auf einer engen Bühne vor sich geht. Fische in einem 
Aquarium bewegen sich reduzierter als im freien Meer. Und Gei- 
ster, welchen Ursprungs immer sie sein mögen, haben ein An- 
recht darauf aus der Retorte gelassen zu werden. Ein Wieneri- 
scher Zug zur Geschicklichkeit könnte hier zur Verführung wer- 
den; eine beachtliche graphische Vitalität dort scheitern, wo 
auch Beckmann Gefahren drohen: in der Vignette. Nicht das 
Ornamentale ist eine Gefährdung, sondern das „Kläubeln", von 
dem Dürer sprach, die kleine Münze der Phantasie, die nur 
kurzen Kurswert hat. 
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