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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 11)

schluß zu vollständiger Freilegung war angesichts der Tat- 
he, daß in Ephesos schon vier Gymnasien und ein großes Bad 
ersucht und zum Teil bereits freigelegt waren, nicht leicht; 
r er erwies sich bald als richtig. Denn es zeigte sich, daß die 
lage in ihren ursprünglichen Teilen vielleicht noch am Ende 
4. _]h. n. Chr. in theodosianischer Zeit von einer Christin nas- 
ns Scholastikia umfassend restauriert und wieder betriebsfä- 
gemacht wurde. Anläßlich dieser Restaurierung wurde aber 
art viel Material von anderen älteren Bauten hcrangeholt, 
l die Scholastikiatherme eine wirkliche Fundgrube für Re- 
s und Köpfe, Inschriften und Architekturteile ist. Diese alle 
r etwa auch nur aufzuzählen ist ausgeschlossen. 
tgewiesen sei nur auf ein Reliefbruchstück aus dem Ende des 
'h. v. Chr., eine hadrianische Kopie eines hellenistischen Kop- 
und einen Kopf des kaiserlichen Prinzen Germanicus. Doch 
ist trotz der vielseitigen außerordentlichen Bedeutung der 
em gefundenen zahlreichen Inschriften nicht das Wichtigste; 
htiger ist, daß die Statue der Scholastikia selbst gefunden 
rde mit dem ursprünglichen Inschriftsockel, die wieder ebenso, 
einige der Säulen an dem einstigen Standort aufgerichtet 
"de. Noch wichtiger ist, daß sich in die Südfront der Therme 
eingebaut ein Tempel fand, dessen Architektur und Reliefs 
iezu vollständig erhalten sind, sodaß ernstlich an einen Wie- 
aufbau gedacht werden muß. Die Bauinschrift besagt, daß 
sich um den Tempel des Kaisers Hadrian handelt, der der 
dt eine zweite Neokorie und damit eine damals sehr hoch ge- 
'tete Rnngerhöhung eintrug. 
Ü der gegenüberliegenden Seite der Straße, deren Pflaster noch 
r gut erhalten ist, liegt, wie die Grabungen bisher ergaben, 
: mindestens 60m lange, 5m tiefe Säulenhalle. welche mit 
2m trefflich erhaltenen, vielfärbigen Mosaikhoden ausgelegt 
Dahinter aber wurde im Berghang ein mindestens dreistöcki- 
Wohnhaus festgestellt, dessen Räume im 2. Geschoß noch die 
qpengewölbe mit umfängliehen Resten des einstigen Stuck- 
ages aufweisen. 
Ohne hier bei Einzelheiten verweilen zu dürfen, sei noch auf das 
dritte große Grabungsobjekt, den Bezirk des Prytaneions, des 
Rathauses, hingewiesen. Vorerst konnte nur der mit vier Säulen 
von herzförmigem Querschnitt geschmückte Saal freigelegt wer- 
den, in welchem der Herd mit dem heiligen ewigen Feuer der 
Stadt stand. Eine Vorhalle mit schwerer dorischer Architektur 
bildet die Fassade dieses Heiligtums der Hestia Boulaia. Davor 
liegt, von zarten jonischen Säulenhallcn umrahmt, ein Platz, in 
dessen Mitte ein hohes Postament stand, daran schließt ostwärts 
ein ebenso von jonischen Hallen umrahmter Platz an, der zum 
allergrößten Teil von einem gewaltigen, 15 mal 16m messenden 
Almrbau eingenommen wird. Der Altarhau war selbstverständ- 
lich für die Darbringung der offiziellen großen Opfer der Stadt 
bestimmt. Alle diese Anlagen stammen noch aus hellenistischen" 
Zeit, sodaß damit das politische und kultische Zentrum der 
Stadtartlage des Königs Lysimachos, des Nachfolgers Alexanders 
des Großen, endlich aufgefunden wurde. Diese für die Stadtge- 
schichte und unsere Vorstellung von dem Werden und Wachsen 
der Stadt kaum zu überschätzende Feststellung gewann da- 
durch noch an Bedeutung, daß wir bei dem Postament in der 
Mitte des Vorplatzes vordem Herd-Saal auch die Statue fariden, 
welche einst auf diesem Postament stand. Es ist eine Statue der 
ephesischen Artemis von etwa zweifacher Lebensgröße. Zu die- 
ser Kolossalfigttr, etwa aus domitianischer Zeit, gesellte sich noch 
eine zweite unterlebcnsgroße Statue gleichfalls der Artemis 
Ephesia in der Vorhalle des Herdsaales und schließlich, sorgfältig 
hier vergraben, in einem der Nebenriiume des Herdsaales eine 
ungefähr lebensgroße Statue der gleichen Gottheit. Diese Sta- 
tue, auf der stellenweise noch der einstige Goldbelag erhalten ist, 
aus fein durchschimmerndem Inselmarmor gefertigt, entstammt 
einer Künstlerwerkstatt hadrianischer Zeit. Sie ist mit ihrem rei- 
chen Schmuck für uns ni:ht nur als eine dem Götterbild im großen 
Tempelbau besonders nahestehcnde Kopie von überragendetn 
Wert, sondern unbestreitbar die schönste aller bisher bekannten 
Statuen der ephesischen Artemis überhaupt. 
nchslück eines Urkundcnrulicfs. 

	        

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