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Volltext: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 12)

 
Solch eine Arbeit, die in ihrem Programm so bestimmt ist, war 
nur im engsten Kreis um den Kaiser möglich. Auch italienische 
Goldstanzenpressungen mit dem Porträt des Herrschers finden in 
den Wiener Kunsthistorischcn Sammlungen ihre Gegenstückc. 
Aber zurück zum Mittelalter; Da gibt es noch ein Kuriosum, 
eine sogenannte „Natternzungenkredcnz". Seinen Namen leitet 
dieses Tafelgerät von den fossilen Haifischzähnen ab, in denen 
man versteinerte Schlangenzungcn zu erkennen glaubte. Ihnen 
aber schrieb man die Kraft zu, Spe n entgiften zu können. Da- 
her waren sie begehrte Schätze in Zeiten. wo man einen Fürsten 
oder Rivalen unter Umständen durch Gift zu beseitigen suchte. 
Unter den drei derartigen Kredcnzen, die es heute noch auf der 
Welt gibt, fällt diese durch die Verwendung der Koralle in der 
Art einer Baumkrone als besonders reizvoll auf. Die Früchte des 
Baumes bilden die „Natternzungen". Ihnen kommen die Be- 
zoare nahe, Magcnstcine von Kamelen, denen auch verschiedene 
Wunderkräftc zugeschrieben wurden, u. a. wieder die Entgiftung 
 
Himmels- und Erdglobus von Christian Hei- 
der, Nürnberg 1570, aus vergolden-m Sil- 
ber. Die Schale stellt einen Erdglobus dar. 
Sie umschließt eine zweite Kugel, den Ilim- 
melsglobus, der die Sternbilder zeigt. Die 
beiden Globen sind durch ein Uhrwerk, das 
im Himmelsglobus untergebracht ist, ge- 
geneinander bewcgbat- und zeigen die je- 
weilige Polhöhe und die Konstellation der 
Himmelskörper an. 
.,Nalternzungenkredenz". Tafclaufszttz aus 
einer Koralle mit Anhängern aus fossilen 
liaiiisch nen, die früherer Meinung nach 
als vei einertc Schlangenzungen galten 
und die Kraft haben sollten, vergiftete 
Speisen unschädlich zu machen. Der Auf- 
satz stammt in der he "gen Form aus dem 
16. Jahrhundert. Die kleine Gewürzschalc 
als Fuß ist noch gotische Arbeit. 
 
  
Libenso ist es auch bei einem zweiten mittelalterlichen Werk, das 
heute als Fuß mit einer einfachen, in der Form aber sicheren 
und eleganten Goldschalc kombiniert ist. Eine monogrammierte 
Inschrift sichert sie für Erzherzog Leopold Wilhelm, Hochmeistcr 
des Ordens und kaiserlichen Statthalter in den Niederlanden. 
Seinem subtilem Geschmack ist eine der bedeutendsten Kunst- 
sammlungen seiner Zeit zu verdanken, die später einen der 
(irundpfeilcr der kaiserlichen Gemäldegalerie bildeten. 
Erzherzog Maximilian Ill. und Erzherzog Leopold XVilhclm 
aber sind als hervorragende Sammler und Kunstkcnncr wohl 
auch die hervorragendsten Persönlichkeiten, die den heutigen 
Ordcnsschatz lormten. S0 ist cs andererseits nicht verwunder- 
lich, dafi manche Parallelen zwischen den Sammlungen des che- 
maligcn Kaiserhauses und dem Ordensschatz zu finden sind. S0 
etwa, wenn zu dem Erd- und Himmclsglobus von Christian Hei- 
den aus dem Jahre 1570 anscheinend zwei glcichlautendc Exem- 
plare in den Sammlungen Kaiser Rudolphs II. zu finden waren. 
Sie sind leider verloren. Das im Ordensschatz verwahrte Exem- 
plar ist heute das einzige seiner Art, Halbcdclsteingeiäße und cin 
Bcrgkristallraigcr (ein Gefäß in Form eines Phantasicvogels) 
sind leicht mit ähnlichen im kaiserlichen Schatz zu vergleichen. 
Auch der prächtige Pokal, dessen Wandungcn im Streben nach 
reichster künstlerischer Bearbeitung dichtcst mit bewegten szc- 
nischcn Darstellungen und mit Ornamcntwcrk geschmückt sind, 
geht vielleicht auf einen habsburgischen Stifter zurück. 1st doch 
alles hier auf eine Verherrlichung Kaiser Karls V. abgestimmt. 
 
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