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Full text: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 1 und 2)

lakel" durch ihre 'l"anz- und Ballettmusiken, die zu unvergängli- 
chen Denkmälern längst verrauschter Faschingsfreuden wurden. 
Eine neue Epoche hebt an. Die Geistesströmungen des josephi- 
nismus und der Aufklärung ergreifen von Denken und Fühlen 
des Einzelnen Besitz und verleihen auch den äußeren Lebensfor- 
men veränderte Aspekte. Die sich anbahnendc Demokratisierung 
wirft ihre Schatten voraus. Waren bisher Hof und Adel die cin- 
zigen Autoritäten für Lebensstil und Lebensformen, so beanspru- 
chen nun Bürgertum und breite Massen ein Mitspracherecht. 
Zur Zeit des Wiener Kongresses erlebte noch einmal der Fasching 
der oberen Gesellschaltssehichten in den Prnchträumcn barocker 
Palais seine Spiitblütc. Aber aus den Bierkneipen und Ballsälen 
der Vorstadt entsteht ein neuer Typ des Karnevals. Die Namen 
der „Bratlgeigcf Josef Lanner und Johann Strauß des Älteren 
leiten eine Entwicklung ein, die in der Person Johann Strauß des 
jüngeren und seiner weltberühmten Walzer kulminiert. Wel- 
chen Umsturz - der Gebrauch dieses Wortes ist keine Über- 
treibung _ die Entstehung des Walzers im öffentlichen Leben 
mit sich brachte, läßt sich heute kaum mehr vorstellen. Dieser 
Tanz bedeutete eine soziale Revolution. Man bedenke, daß die 
Eltern dieser eng umschlungen dahinwirbelnden Paare im Tanz- 
vergnügen noch ein zibgemessenes Zeremoniell sahen, Claß der 
 
hings- und Narrenabend des Wiencx 
lnergcsnngvereins 1861. 
vgrupllle vun Vlnzenz Kolzler. 
12 
Koslümfcst im Musikvcrcir 
Fasching 1875. 

	        
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